Senest opdateret 21. oktober 2016

Ich habe aktiv gedient bei Grenadier Rgt. König Friedrich III., 1. Ostpreußisches Nr. 1, in der 4. Komp. und wurde am 14.10.1897 eingestellt.
Laut meines Mobilisierungsbefehles hatte ich mich am 2. Mobilmachungstag, am 2.8.1914 in der Duburgkaserne zu stellen. Es stand auf meinem Schein: Meldereiter – und mußte als solcher Pferd oder Fahrrad mitbringen. Ich ging gleich nach Wiehe-Krug und kaufte bei Richard Jaacks ein neues Rad. Dann ging es los nach Flensburg. Schon morgens war der ganze Kasernenhof überfüllt. Ich lieferte das Rad bei der Kompagnie ab und bekam den Kaufpreis – 125,- M – zurückerstattet. Als Landwehr 2. Aufgebots wurde ich der 2. Komp. zugeteilt. Wir wurden im großen Saal von Sanscouci einquartiert. Wir sollten die Küsten schützen.
Als draußen im Feld der Krieg wütete, kamen die ersten Verwundeten nach Flensburg zurück. Die Jüngeren von uns kamen zur 1. Komp. Ers. Btl. R.I.R. 86. Bald mußten auch wir ins Feld. Wir lagen in der Inf. Kaserne in der Duburgstraße.
Als das I. Btl., welches am Kampf um Frissons, 10.-18.1.15 teilgenommen hatte, mit dem Verlust von 72 Toten und 209 Verwundeten nach Lassignig zum Rgt. zurückkehrte, hieß es für uns alten Leute: Marsch ins Feld! Eines Abends ging es nach dem Bahnhof. Die Rgtmusik spielte: Muß ich denn zum Städtele hinaus. Es ging durch Deutschland und Belgien nach Noyon an der Oise. Wir konnten nicht in den Bahnhof einfahren, da er unter Granatfeuer lag. Wir wurden auf freiem Felde ausgeladen und marschierten in die Ruhequartiere des R.I.R. 86 in Cuy. Ich wurde der 1. Komp. zugeteilt. Nach 2 Tagen ging es zum ersten mal in die Gräben in Lassigny. Als wir einrückten, hatte der Franzose die Kirche noch nicht ganz zerschossen. Später legte er sie mit Granaten ganz in Trümmer.
Unser Stellungsabschnitt lag 50m vor der Kirche. Und weil wir viel unter Wasser zu leiden hatten, hieß der Graben „Alter Damm“ und „Südsee“.


Die Ausstattung unserer Unterstände stammte aus den Wohnungen von Lassigny. Ganz besonders eifrig wurde an der Entwässerung gearbeitet. Es passierte eigentlich in der Stellung nichts; es war die ruhigste der Welt. Nur dann und wann rauschte ein Feuerüberfall vom Franzmann herüber. Stand man auf Posten, so sah man die Franzosen schanzen; man hörte sie singen, sprechen und lachen. Die Entfernung zwischen den Stellungen schwankte zwischen 200-400m. Da zum Ausbau der Stellungen ungeheuer viel Holz verbraucht wurde, legte man in Cuy eine Sägerei an.
Hier arbeitete ich ¼ Jahr. Es war eine sehr angenehme Zeit. Im Dorf war dazu noch etwas Bevölkerung. Unsere Arbeit war, trotzdem es in Cuy so schön war, sehr schwer. Wir mußten große Bäume fällen und zu Brettern und Balken zerschneiden, die dann von uns jeden Abend in Stellung gefahren wurden. Wenn wir mit unseren Wagen nach Lassigny kamen, faßte uns machmal ein Feuerüberfall der Franzosen. Unsere Pferde wurden scheu, warfen die Wagen um und die ganze Bescherung lag im Graben. Unsere Arbeit war doppelt.
Anfang 1915 fing der Franzose an in Dives, ein Rückquartier, hinein zu schießen. (Wir hatten nur die Batterie „von Uslar“ und einige alte Ringkanonen, die in der Nähe von Dives standen). Das Schloß wurde zerschossen und ging in Flammen auf.
Nach dem Rückwege aus Stellung brachten wir viel Getreide, Wolle, Heu, auch Metalle aus Lassigny nach hinten in Sicherheit.
Am 26.9.1915 – wir waren gerade an unserer Säge – da hieß es „Alarm!“ Wir rannten in unsere Quartiere, rissen unsere Klünnen zusammen, packten den Tornister, die Flinte her – und dann liefen wir zum Sammelplatz. Wir marschierten nach Noyon, wo wir in der Dragonerkaserne die Nacht über blieben. Am nächsten Tage wurden wir in Barbeul verladen. Es ging über Cambrai – wo es Verpflegung gab – nach Rouvroy. Auf freiem Felde mußte alles aussteigen. Wir standen vor der Vimyhöhe; wir waren an die 12.I.D. ausgeliehen. An 2 Punkten versuchten Franzosen und Engländer die deutsche Front zu durchstoßen: in der Champagne und an der Lorettohöhe. Am 25.9. war es den Engländern und Franzosen nach 70 Stunden Trommelfeuer gelungen, die Garde und die Bayern zu durchstoßen.


Als Eingreiftruppen lagen wir bereit. Von Frenois ging es gegen die Vimyhöhe vor; die 11. Komp., die zum I. Btl. Gehörte, voran. Wir wurden von dem Garde Major Reinhardt, der später in den Berliner Spartakistenkämpfen – 1918/19 – berühmt wurde, angehalten und nach Acheville zurückgeschickt. Da blieben wir bis zum Anbruch der Dunkelheit. Um 9 Uhr gingen wir wieder vor um endlich in Mericourt in Alarmquartieren zu enden. Am 30.9. ging es 730 morgens nach Alarm! An den Bahndamm von Vimy, 800m nördlich vom Dorf. Hier blieben wir bis zum 1.10., 3 Uhr nachmittags in unseren Erdlöchern; dann kamen wir an den Ostrand des La-Foile Waldes. Da wir stark unter Feuer lagen, zogen wir in die Zeche Vimy. Nachts schanzten wir einen 2. Graben. Am 2.10. mußten wir durch den La Foile Wald der Garde zur Hilfe eilen; der Feind war durch! Wir mußten durch ein mächtiges Sperrfeuer. Dabei fiel der 50-jährige Kriegsfreiwillige Gefreiter Gringel (1/R86). Uns voran eilte unser Kdör. Hptm. Deichmann mit seinem Adjutanten von Bülow. Letzterem zerschmetterte eine Granate das Bein.
Am 16.10. griff der Feind nach schwerem Minenfeuer die „Hörnersappe“ 3x an. Artillerie, Handgranaten und MG Feuer trieben ihn zurück. Unser Graben war aber so zerschossen, daß wir etwas zurückgehen mußten.
Schwer litten die Fahrer beim Verlassen unseres Stellungsabschnittes. Sie mußten durch schwerstes feindliches Feuer übers offene Feld.
(Nach der Geschichte des Res.Inf.Rgt.86 im Weltkriege v. Friedr. Klähn). Am 22.10. lagen wir in Oppy in Ruhe. Meine Krampfadern brachen auf; ich kam ins Kriegslaz. des I. bayr. A.K., Etappen Inspektion, 6. Armee, 2. Abteilung, am 25.10.1915.
Vom 10.11.15 bis 15.12.15 lag ich im Reserve Lazarett, Institut der englischen Fräulein, in Regensburg.
Am 15.12.15 kam ich in die 5. Kp. Ersatz Reserve 86, Flensburg; und am 31.1.16 zur 2. Kp. Ers. Res. 86 da ich nur noch garnisiondienstfähig (g.v.) war, wurde ich auf Veranlassung meines Nachbarn – Amtsvorsteher Hansen, Kleinwiehe – am 28.3.16 vom Bez. Kdo. Flensburg entlassen.
Inzwischen gingen die Schlachten im Osten und Westen weiter und fraßen Menschen und nochmals Menschen. Das Ersatzmaterial wurde knapp. So wurde ich wieder zur Infanterie eingezogen und kam am 2.3.17 zur 1. Kp. I. Ers. Btl. I.R. 14, Bromberg. In meiner Korporalschaft waren 4 Lehrer aus der Flensburger Umgegend. 2 fielen bald im Felde. Einer der 4 war Lehrer Hansen aus Klein Jörl; der andere hieß Röhe und war – glaub ich – aus Angeln.











Am 18.5. 1917 kamen wir ins Feld zur 9. Kp. IR14. Es lag vor Reims in Stellung. Ich kann mich nicht mehr auf die Orte besinnen. Es war ja alles zerschossen und es lag fast kein Stein mehr auf dem anderen. Wir lagen in Stellung vom 28.5. 1917 bis 31.10. 1917. Dann ging es in die Herbstschlacht in Flandern. Wo es war, weiß ich nicht mehr. (Es wird Paschendaele gewesen sein; der Paß verzeichnet den 6.11. 1917 als Großkampftag. In Stegemann: Geschichte des Krieges – ist der 6.11. der Tag, wo es dem engl. General Currie mit seinen Kanadiern mit der letzten Stoßkraft gelang Paschendaele zu besetzten und zu behalten. Die Kämpfe in Flandern hatten eine besondere Härte, da es den Engländern darum zu tun war, die deutsche Unterseebootsbasis zu gewinnen und damit den U-Boot-Krieg lahm zu legen).
Hier in Flandern wurde ich Essenträger. Ein Utffz. und 61 Mann hatten jeden Abend das Essen in großen Eßtornistern in Stellung zu bringen. Die Feldküche kam; jeder füllte seinen Kübel – und dann gings in stockfinsterer Nacht auf sie Suche nach der Kompagnie. Die lag nicht wie bei Lassigny geschlossen im Graben – sondern truppenweise in Trichtern und Betonklötzen. Gewöhnlich überraschte uns ein englischer Feuerüberfall und mancher der Essenträger biß ins Gras. Wenn wir unser Essen verteilt hatten hieß es: Hier liegt ein Verwundeter; da ist ein Toter! Dann mußten wir Tote und Verwundete mit zurückschleppen.
Am 24.11.1917 kam ich mit meinen Krampfadern am l. Unterschenkel ins Revier und am 27.11.1917 ins Kriegslazarett Abtg 130, Kadettenschule, Station C“ in Aalst, Dtsch. Feldpost 248. Am 5.12.1917 kam ich ins Vereinslazarett St. Joseph Krankenhaus in Crefeld.
Erholungsurlaub hatte ich vom 29.12.1917 bis 11.1.1918. Dann kam ich am 12.1.18 zur Revier Kp. I Ers. Btl. I.R. 14 und am 20.1.18 zur 2. Kp. E/14.
Nach dem Friedensschluß mit Rußland bin ich dann noch in der Nähe von Brest Litowsk in der Etappen Inspektion „Bug“ im Beerdigungskommando gewesen. Wir mußten die noch unbeerdigten Gefallenen suchen, sammeln und begraben. Eine wirklich häßliche Arbeit. Am 11.5.1918 wurde ich als nicht mehr dienstfähig zur Arbeitsleistung im eigenen Betriebe aus dem Heeresdienst entlassen.
Aktiv 14.10.1897: Grenow. Rgt. König Friedrich III. 1. Ostpreußisches 4. Kp.
2.8. 1914-30.9. 1914: 2. Kp. 1. Lost. Inf. Btl. Flensburg
3.9. 1914-30.1. 1915: 1. Kp. Ers. Btl. R.I.R.86
30.1. 1915-25.10.1915: 5. Kp. R.I.R.86
15.12. 1915-31.1.1916: 5. Kp. E.Res. 86.
31.1. 1916-28.3.1916: 2. Kp. E.Res. 86.
28.3. 1916: Bez. Kdo. Flensburg entlassen
2.3.1917-14.5.1917: 1. Kp. E.Btl. I.R. 14 Bromberg.
14.5. 1917: ins Feld zur 4. Inf. Div.
18.5. 1917-25.11.1917: 9. Kp. I.R. 14
26.9. 1917-2.10.1917: Kdiest zur Fliegerabtg. 252
12.1. 1918-20.1.1918: Revier Kp. I. Ers. 14
20.1.1918-1.3.1918: 2. Kp. Ers. 14
1.3.1918-3.5.1918: Etappen Inspektion ”Bug”.
11.5.1918: entlassen.
25.10.1915-10.11.1915: Kriegslaz. 1. bayr. A.K. Etappen Inspektion 6. Armee, 2. Abtg.
10.11.1915-15.12.1915: Res. Laz. Regensburg
27.11.1917-3.12.1917: Kriegslaz. Abtg. 130, Kadettenschule Station C“, Aalst, Dtsch. Feldpost 248
5.12.1917-29.12.1917: Vereinslaz. St. Joseph Krankenhaus Crefeld.
29.12.1917-11.1.1918: Erholungsurlaub.
Beförderungen:
6.6.1915: überzähliger Gefreiter.
Ehrenzeichen:
9.8.1917: EK II.
Gefechte:
30.1.1915-24.9.1915: Stellungskampf an der Aisne bei Lassigny.
28.9.1915-24.10.1915: Vimyhöhe
28.9.1915-23.10.1915: Herbstschlacht La Bassie-Arras.
14.10.1915-25.10.1915: Artois
28.5.1917-31.10.1917: Stellungskampf vor Reims.
1.11.1917-25.11.1917: Herbstschlacht 1917 in Flandern
6.11.1917: Großkampftag
Nis Petersen

