Petersen, Lorenz (1885-1917)

Senest opdateret 4. september 2016

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Lorenz Petersen, geb. 14.6.1885

Lorenz Ludwig Petersen hatte vor dem Kriege nicht gedient. Als der Krieg ausbrach, war er in der militärischen Bezeichnung Ersatz Reservist. Gleich anfangs 1914 mußte er sich stellen und brachte einen Pferdetransport nach Sörup; in Angeln wurde die 18. Res. Division des IX. Res. Korps zusammengestellt.

Nach Erledigung des Transportes konnte Lorenz Petersen wieder auf seine Stelle Wanratt zurückkehren. Am 20.10.1914 wurde er jedoch in das Heer eingezogen und kam als Füsilier zu den 86ern, welche im neuen Gymnasium lagen.

Von hier wurde er nach Sonderburg versetzt, wo er zum Ersatz Bataillon des Landwehr Inf. Regimentes Nr. 85 gehörte.

Am 4.2.1915 ging ein Transport ins Feld. Über Hanau und Straßburg ging es hinunter in die Vogesen, wo Lorenz Petersen zur Armee Abteilung Garde, Division Fuchs, Regiment von Weber Nr. 84, Bataillon Hilsemann, 6. Kompagnie, kam.

Hier in den Vogesen blieb er jedoch nur kurze Zeit. Er wurde Ruhrkrank und kam in die Heimat zurück.

Aus den Vogesen kam fast gar keine Post nach Hause. Für die Truppenteile dort war allgemeine Postsperre angeordnet; wohl um den Abtransport jüngerer Truppenjahrgänge nach dem Osten (Offensiven in Polen) zu verbergen.

Von Schleswig kam ein Telegramm an, welches seine Frau, Katharina geb. Mauzen, sofort nach Schleswig rief.

Sie fuhr hin und nahm ihren Mann für 14 Tage zur Erholung mit nach Hause.

Am 30.4. 1915 ist Lorenz Petersen wieder in Schleswig, Er gehört nun zur 7. Korporalschaft in der 3. Kompagnie des Ers. Batl. Inf. Regt. 84.

Am 4.5.15 geht es im Viehwagen über Neumünster auf den Truppenübungsplatz Lockstedter Lager.

Am 7.5.15 geht es schon wieder nach Schleswig zurück. Dienst hat er nicht zu machen – und darüber freut er sich, – weil er Bursche geworden ist.

Am 20.5. 1915 geht ein Transport hinaus, „Das Los hat mich aber nicht getroffen!“

Am 1.6. 1915 geht der zweite Transport, zu dem auch Lorenz Petersen gehört. Die Reise geht über Neumünster (Frühstückspause)

Kleinen in Mecklenburg, Mittag 5 Uhr nachmittags

Brandenburg (Frühstück)

am 9.6.19 15 Bromberg nach Osten.

Der Transport kommt zum 25. Reserve Korps, 50. Reserve Division, Res. Inf. Regiment 231, 5. Komp.

Die Kompagnie liegt in Reserve in Waldunterständen. Schon ist alles verlaust – und was das Schlimmste ist: es gibt wenig und schlechtes Essen – es gibt trocken Brot „geschnitten einfach aus der Hand“.

Dann muß nach den hinterlassenen Ansichtskarten Lorenz Petersen überraschend Urlaub bekommen haben.

Am 11.7. 1915 ist eine Karte in Berlin abgestempelt.

Am 30.7. 1915 befindet er sich in Hamburg auf der Rückreise zu seinem Truppenteil.

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Lockstedter Lager
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Als Ers. Res. Petersen Er/b 84 3 Comp . 7. Korporalschaft Schleswig
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Kleinen in Mecklenburg
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Deutsch Eylau, Kaserne Inf Regt 59 25 Res Division II Batl. 50 “ Division 5 Rang. Res Inf Incy Nr 39 im Osten
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Mlawa
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Abt Ers Nr 1 Petersen 25 Sch Armee II Batl 50 Bat [kan ikke læse] Reg Inf Batl Nr 231 im Osten
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Ubs Ers Inf Petersen 25 Sch Nr II Batl 50 [kan ikke læse] Nrh Infs Reg Nr 231 Im Osten
Es geht über Deutsch 2 Eylau und Yorn1. (1.8.) Die Urlauber übernachten auf dem nackten Fußboden. Am nächsten Tage geht es nach Rußland hinein.

Am 2.8. 1915 ist Lorenz Petersen in Mlawa, doch es geht mit der Bahn noch weiter. Der Russe hat in seinem eigenen Lande bös gehaust. Nach der deutsch-österreichischen Offensive und dem Durchbruch bei Gorlice (2. Mai) und Tarnow (5. Mai) ist Galizien fast ganz erobert. Der Angriff wird in Polen weiter vorgetragen. Im Mai stößt Hindenburg gegen Kurland bis an die Düna vor. Mitte Juli setzen sich die Hindenburg Armeen aus den Rawka-Nidastellungen in Bewegung. 14 Festungen mit fast 2 Millionen Russen fallen in die Hände unserer Truppen.

Die 231‘er marschieren hinter der Front. „Es ist eine ewige Tippelei.“ Alle Dörfer sind abgebrannt und dem Erdboden gleichgemacht. Der Russe hinterläßt bei seinen verzüglich geleiteten

Rückzugsbewegungen seinem Gegner ein verwüstetes Land, das der Deutsche dann mit seinen geringen Mitteln mühsam wieder aufbaut. Allabendlich lohen am Horizont die Fackeln brennender Dörfer auf und zeigen an, daß der Russe abgebaut hat. „Es geht heiter zu. Heute habe ich mir die ersten Kartoffeln von den Russen kochen lassen.“

Die 231. marschieren über Raciaz, nehmen wohl Teil an der Eroberung von Novogeorgienrsk. Dann schwenken sie nach Nordosten, durch den Bialystoker Forst und marschieren gegen Grodno, das am 4.9.15 fällt.

Am 26.9.15 ist für Lorenz Petersen der große Vormarsch beendet. Die Feldküche fährt über ihn weg und verletzt ihm beide Oberschenkel. Er kommt in einen Verwundeten-Transportzug. Über

Marggrabowa

Königsberg

Frankfurt a. der Oder

Falkenberg in der Niederlausitz

Dabrilugk in der Niederlausitz

Schweinfurt „Wir sind 96 Stunden im Zug“

Geht es nach Nütingen am Neckar

Ins Lazarett.

Hier im Res. Lazarett in Nütingen haben es die Verwundeten sehr nett. Lorenz Petersen ist auch bald wieder im Besitz seiner Beinkräfte. Am 21.10. fährt er in die Zahnklinik nach Tübingen, am 25.10. macht er auf einem Ausflug eine Ruderpartie auf dem Neckar bei Neckarhausen, am 30.10. nimmt er an einer Theatervorstellung in Stuttgart teil.

Lorenz Petersen wird aus dem Lazarett entlassen und kommt zu seinem Ersatztruppenteil in Hildesheim.

Inf. Regt. 79, II. Ers. Batl.Komp, 16. Korporalschaft.

Von Hildesheim aus bekommt er Urlaub.

Am 1.12. läßt er sich fotografieren. Das Bild ist das einzige, was wir von ihm als Soldat haben.

Der Winter ist da – und Lorenz Petersen läßt sich seine Wollsachen schicken. Er weiß, daß er bald wieder ins Feld soll.

Am 12.2. 1916 ist er auf dem Transport nach dem Westen. Seine Karte aus Namur ist durch das Königl. Preuß. Landsturm Inf. Batl. Wiesbaden, 3. Komp., abgestempelt.

Am 13.2.1916 befindet sich der Transport in Ostende in den Kasernen. Abgestempelt ist die Karte vom Res. Feld-Artillerie Regiment 58, 1. Abt. Hier oben in Flandern scheint das Regiment aber nicht zu sein. Die 50. Res. Division ist aus dem Osten nach dem Westen geworfen worden. Der Transport liegt erst einmal in Ostende. Lorenz Petersen gefällt es hier gut. Er kennt nur Polen und Rußland; hier in Flandern merkt man 1916 hinter der Front noch nicht den Krieg. Alle Geschäfte sind noch voll Waren, alle Estaminets (Kneipen) sind noch auf. Er schreibt: „Man kann hier kaufen was man braucht.“

Der Transport wird der alten Division zugeteilt; Lorenz Petersen kommt aber in die 2. Komp. des Res. Inf. Regts. 229.

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Rawka Stellung
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Nürtingen
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Neckarhausen
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Namur, den 11/2 1916
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Mons
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Ostende
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La Foile, nördl. Arras

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Lomme
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Prémesques
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Ypern Abs C 1 Stes Petersen 50 Nich 2 i r Nach Inft Regt 984 II [kan ikke læse]
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Brügge

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Am 4.3.1916 kommt das Regiment in den Graben. Nach den Karten zu urteilen liegt es in den Stellungen vor Arras; vielleicht auf oder bei der Vimy Höhe. Das Ruhequartier ist Prémesques bei Lille. Auf einer Karte schreibt Lorenz Petersen, daß sie bei sehr schlechtem Wetter in Lomme Kirchgang gehabt hätten.

Von Lomme oder einem anderen Orte aus fährt er in Urlaub. Am 20.4.16 meldet er, daß er wieder bei der Kompagnie angekommen sei. Am 30.4.16 liegt er wieder im Graben.

Im Juli scheint das Regiment an die Somme geworfen zu sein, wo ist mir unbekannt. Aber es gibt gewisse Postkarten, die mit den wenigsten Worten davon erzählen, daß sich das Regiment in den schwersten Kämpfen befindet. Am 16.7. 1916 „Ich schicke auch ein Lebenszeichen“.

Nach der Sommeschlacht scheint Lorenz Petersen wieder in Urlaub gefahren zu sein. Am 10.8. 1916 schreibt er: „Wir sind noch auf deutschem Boden, aber gleich geht es über die Grenze. Eben habe ich Kaffee getrunken. Das Kartenspiel haben wir nicht vergessen.“

Am 10.8. 1916 abends trifft er bei der Kompagnie ein. Die Karte stammt wiederum aus Lomme.

13.8. 1916 „Ich will schnell ein paar Zeilen schreiben ehe es Frieden gibt, denn am 17. gibt es wohl Frieden“. (Karte Ypern). 1916 scheint eine solche Parole durch die Gräben gegangen zu sein. Ich erinnere mich aus dem Jahre 1918, daß im August ganz fest behauptet wurde: Heute Nacht um 12 Uhr fällt der letzte Schuß und dann ist Friede. Um 12 standen wir dann auf dem Postenstand und zählten dann die Minuten. Und kurz nach 12: bumm – rrrrtsch bum! Der Friede war mal wieder gebrochen!

Am 29.10. 1916 liegt das Regiment wieder in Stellung. Lorenz Petersen ist hinten gewesen und hat sich einen Zahn blombieren lassen. Im Graben, (die Karte ist von Bapaume) ist es sehr ungemütlich. „Das Wetter ist schlecht und der Graben steht voll Wasser.“ Lorenz Petersen ist inzwischen aus der Infanterie Kompagnie ausgeschieden und gehört zur Inf. Pionier Kompagnie Res. Inf. Regt. 229.

Über den ganzen Winter 1916-17 und bis Mai hinein weiß ich nichts.

Am 10.5. 1917 schreibt er: „Ich soll wohl bald auf Urlaub.“

Am 23.6. 1917 fährt er auf Heimatsurlaub.

Am 23.6. 1917 schreibt er wieder aus Flandern; die Karte stammt von Poelkapelle: „Jetzt ist trockenes Wetter. Das Korn steht fein“.

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Am 6.7.1917 schriebt er; „Jeden Tag gehen wir auf Patrouille, dafür sind wir die übrige Zeit frei.

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Feuerüberfall

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Am 26. September 1917 greift das Res. Inf. Regiment 229 an.

Bei diesem Sturmangriff kommt Lorenz Petersen seinen Kameraden aus dem Gesicht. Die feindlichen Granaten fauchen heran; rundum spritzen die Maschinengewehrgeschoßgarben auf. Hier und da dröhnt dumpf eine Handgranate. Die angreifende Truppe muß zurück.

Es ist keine Zeit sich um Tote oder Verwundete zu kümmern, zu scharf drängt der Engländer nach. Die letzte Handgranate wird noch dem Engländer vor die Füße geworfen, dann springt der unverletzte Feldgraue von Trichter zu Trichter, von Deckung zu Deckung, um seine ihn schützende Hauptwiderstandslinie zu gewinnen. Keine Zeit hat er das Kampffeld noch einmal zu überblicken – er springt ums Leben, mindestens aber um die Freiheit. Rechts und links in den Trichtern hocken Verwundete, die den noch unverletzten Kameraden nicht folgen können. Mit traurigem Blick schauen sie ihren Kameraden nach – sie wissen – wir kommen in die Gefangenschaft.

Andere liegen mit Augen voll Fieber – ihnen naht der schmerzstillende Tod; sie wissen nichts von ihrem Schicksal.

Und überall liegen die toten Schläfer, da wo die Kugel sie traf – noch zum Sprung gebeugt am Trichterrand, noch mit der Pistole in der Hand. Geschworenen Eiden treu bis in den Tod.

Und dazwischen prasseln die Schrapnells, da werfen schwere Granaten Erdfontänen auf – das englische Feuer läßt nach, da haut das eigene Sperrfeuer in die englischen Linien – und auch in die zurückgebliebenen Deutschen.

Nun ducken sich die Engländer in den Trichtern, deutsches MG Feuer prasselt sein atemberaubendes Tempo. Zu den deutschen Toten und Verwundeten sinkt der Feind. Die eigenen Granaten drücken alte Trichter zu – Erdmassen, zum wievielten male emporgeschleudert, decken selbstaufgeworfenen Gräber zu. Und sie sinken hin, die nur schwerverwundet waren, zu ihren toten Brüdern, zu den Feinden, alle zusammen in das große Grab des Niemandlandes.

An irgend einem Abend steht die Pionierkompagnie R.I. Rgt. 229 irgendwo hinten in einem Ruhequartier. Der Feldwebel kommt und ruft die Namensliste auf – hier – gefallen – hier – hier – gefallen – ?? – Alles schaut sich um und an. „Wer hat Petersen zuletzt gesehen?“ „Ja, ich. Aber wo?“ „Eben vorm Sturm“. „Er lief mit mir“. Aber dann? Da kam der Granathagel – da kam der Rückzug. Und dann?    ??     Wer weiß wo!

Und der Feldwebel schreibt in die Heimat das kurze und so unendlich schwere Wort: Vermißt.

Draußen über dem Niemandsland leuchten und verlöschen die Sterne der Leuchtkugeln, leuchten über dem unbekannten Grabe des unbekannten Soldaten.

Und in der Heimat lesen sie das schwere Wort: vermißt – und die Blicke schweifen zu den ewigen stummen Sternen. Sie leuchten auch dahin, wo unser Auge liest

Vermißt.

Olof Berg: Klein Wiehe / Lille Vi 1914-1918

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Sønderjyderne og Den store krig 1914 – 1918