Petersen, Hermann Thomas (1896-1915)

Senest opdateret 2. september 2016

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Hermann Thomas Petersen 21.6.1896-5.5.1915

Hermann Thomas Petersen, der Bruder vom Maschinenbauer Peter Petersen, wurde im Oktober 1914 nach Flensburg eingezogen und dort bei den 86ern ausgebildet. Um noch einmal ihn am Weihnachtsfeste 1914 bei sich zu haben, gaben seine Verwandten ihre letzten beiden Goldstücke her. So hatten Hermann Th. Petersen und seine Verwandten noch die Freude, ihn als Urlauber an den beiden Weihnachtstagen bei sich zu haben. Es sollte auch das letzte Mal sein, daß sie ihn lebend von Angesicht zu Angesicht sehen sollten. Einmal sahen sie ihn noch wieder, aber da lag er im Sarg, da hatte auch er sein Leben für unser aller Vaterland hergegeben.

Als er nach Flensburg zurückkam, da wurde er gleich in Empfang genommen – Alarm! – das Bataillon mußte sofort weg. In derselben Nacht war Verladen. Es ging nach Rußland, wo die Not wieder riesengroß angewachsen war.

Nach dem Siege bei Tannenberg (25.-28.8.1914) hatte der Sieger, von Hindenburg, im November 1914 doch wieder den Russen Raum geben müssen. Wie die Feindbundstaaten hofften, so wälzte sich das russische Heer wie eine „Dampfwalze“ gegen Deutschland, mit dem Ziel, alles unter sich begraben wollend. Und der Erfolg lag nahe. Österreich und Deutschland mangelte es an allen Seiten an Truppen. Hatte man dem Feind an der einen Stelle Schaden zugefügt, so erdrückten die Masse Feind an einer anderen Stelle die deutsche Front. Um dieses nicht zu einer Niederlage auswachsen zu lassen, mußte die deutsche Heeresführung die Front so weit zurücknehmen, daß der Feind wieder in Ostpreußen eindringen konnte. Es war aber mit die größte Sorge unserer Führer, deutschen Boden vom Feind und vom Kriegsunglück frei zu halten. Darum wurde der Wille vorherrschend den Russen aus Ostpreußen zu vertreiben.

Die Front zog sich im Februar 1914 aus den Masurischen Seen hin über Lötzen, Angerburg, längs der Anojerap über Gumbinnen nach Tilsit. 1915: Anfang Februar wurden in aller Stille frische Truppen auf dem Nordflügel unter General-Oberst von Eichhorn (1918 ermordet in Warschau), auf dem Südflügel unter General von Below, versammelt. Am 7.2. begann nach starkem (Angriff) Schneefall der Angriff im Süden gegen Johannisburg. Am 8.2. wurde der Übergang über den Pissek erzwungen, Biala besetzt (9.2.) und der Vormarsch auf Lyk angetreten. Die Truppen der Nordgruppe, aus der Linie Tilsit-Insterburg vorgehend, hatten am 8. und 9.2. Die Russen aus ihren Stellungen nördlich Pilkallen geworfen und nach südosten gedrängt. Ein Vorstoß auf Wirballen, das am 10.2. genommen wurde, schnitt dem Feinde die Rückzugslinie ab.

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Die russische Kirche in Kalwarja

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Am 10. wurde die Linie Pilkallen-Wladislawow, am 11. Die Straße Gumbinnen-Wylkowsszki erreicht und am 12.2. auf russischem Boden Kalwarija und Mariampol besetzt.

Inzwischen hatte auch die deutsche Mitte  en Feind östlich Lötzen-Angerburg-Darkehmen geworfen, während die Südgruppe unter erbitterten Kämpfen (12.-14.2.) gegen Lyk vordrang, das von den Russen hartnäckig verteidigt wurde. Der rechte Flügel rückte indessen immer weiter nach Osten vor und drängte die Russen nach Norden. Eiligst herbeigeführte Verstärkungen aus Ossowei, Olita und Gradow konnten ihr Schicksal nicht aufhalten. Am 14.2. wurde Lyk im Beisein des Kaisers gestürmt und die Russen über die Grenze in den Wald von Augustow unter nahezu völliger Einkreisung, geworfen. Nur geringe Truppenteile konnten sich in die Wälder retten, der Rest mußte die Waffen strecken. Die Siegesbeute betrug 100 000 Gefangene und 150 Geschütze.

Zu dieser großen Schlacht fuhr von Flensburg das Bataillon. Es war in den Soldaten nicht mehr die Sorglosigkeit vom August 1914, wo man an die Transportwagen mit Humor schrieb:

Kirgisen und Tscherkessen,
die haben nichts zu fressen,
die Russen und Mongolen
haben Stiefeln ohne Sohlen.
Tataren und Kosaken
Vor Hunger nur noch quaken.

Sie kannten oder ahnten schon die Strapazen, der Krieg war in seiner ganzen Schwere bekannt.

Die Flensburger Soldaten fuhren geradewegs nach Ostpreußen und wurden der Armee des Generals von Below, an seinem rechten Flügel, zugeteilt.

Der Transportzug wurde hinter den deutschen Linien im russischen Artilleriefeuer ausgeladen.

Nur aus einigen Briefen und aus Nachrichten von Fritz Creutz aus Lüngerau, der bei einer Sanitätskolonne der 80. Reserve Division war, ist uns etwas vom Reserve Infanterie Regiment 266, denen die Flensburger zugeteilt wurden, bekannt. (Zum Regiment gehörten noch aus unserer Gegend: Johannes Jürgensen, Lüngerau, Lehrer Greifenburg, Linnau, und Asmus Feddersen aus Schafflund).

Die während des Ausladens durch russisches Artilleriefeuer überfallenen Truppen mußten sich auf Heuböden und in Kellern verstecken.

Das Regiment griff am rechten Flügel an. Es durchbrach die Front der Russen bei Bialla und nach einem Gefecht bei Sulinnen wurde der Hof Neu-Drigallen erreicht. Ein Gefecht bei Neuendorf erzwang dem Regiment den Übergang über den Lyckfluß. Die Märsche wurden sehr stark durch den gewaltigen Schneefall erschwert. Streckenweise mußten die Infanteristen mit ihrem kleinen Feldspaten die starken Schneewehen durchgraben und die Marschhemmungen beseitigen.

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In den Kämpfen für die Verteidigung des deutschen Vaterlandes hat auch ein teures Glied Ihrer Familie den Heldentod erlitten. Zum Gedächtnis des auf dem Felde der Ehre Gefallenen haben Seine Majestät der Kaiser und König in herzlicher Teilnahme den schweren Verlust und in Anerkennung der von dem Verewigten bewiesenen Pflichttreue bis zum Tode das beifolgende Gedenkblatt Verliehen, das als ein Erinnerungszeichen an die große Zeit und an den unauslöschlichen Dank des Vaterlandes in Ihrer Familie dauernd bewahrt werden möge. Großes Hauptquartier, den 24.9.15. Der Kriegsminister]

Jedes Regiment war bei den Schwierigkeiten ganz auf sich selbst angewiesen. Die Proviantkolonnen kamen mit der vorwärtsdrängende Infanterie nicht mit. Essen mußte „besorgt“ werden – und das war in dem von den Russen zerstörten und verwüsteten Ostpreußen nicht leicht. Die Häuser waren in den Kämpfen von August 14 bis Februar 15 verbrannt – und die Viehbestände waren nach Rußland entführt. Die Truppen mußten Hunger und Durst leiden. Die Briefe klagen darum. Und was ihm von seinen Verwandten geschickt wurde, kam nicht an. Es ist ein übles Kapitel, es muß aber um der Wahrheit willen gesagt werden, daß es in dieser Notzeit schlechte Menschen gab – siehe Postamt Wallsbüll, die sich an diesen Liebesgaben für die hungernden Soldaten bereicherten.

Am 16.2. überschritt das Res. Inf. Regt. 266 die russische Grenze und marschierte auf den Lobr-Fluß zu. Hier wurde es mit dem Hungern etwas besser, denn die vorwärtsdringende Armee von Below holte die Pferde- und Viehherden, die von den Russen in Ostpreußen gestohlen waren, zwischen der Grenze und dem Lobr ein.

Bei dem Dorfe Plsdrup erreichte das Regt. den Fluß. Aus der Festung Ossowei warf der russische Großfürst den deutschen seine Truppen entgegen. Mit Maschinengewehrfeuer im Rücken wurden die „Panje“, die Russen über die Eisdecke vorgetrieben. Ein Artilleriehauptmann, der seine Geschütze beim Res. Inf. Regt. 266 auffahren ließ, zerschoß die Eisdecke, so daß sehr viele Russen den Tod in den eisigkalten Fluten des Lobr fanden.

Der Übergang wurde erzwungen. Die Marschrichtung ging nun nach Nordosten- Bei der Stadt Sztalin wurde der Bobr wiederum überschritten. Es ging gegen den Augustower Wald, vor, in dem sich die Russen der russischen Armee, der kommandierende General des XX Korps, die Führer der 27., 28. und 29. Division, der 53. Reservedivision und der 1. Sibirischen Kosakendivision mit den Trümmern ihrer Heereskörper ergaben. Die russische Armee des Generals Sievers war gewesen. (General S wurde vom russischen Großfürst Nicolai Nikolajewitsch eigenhändig gezüchtigt und beging Selbstmord).

Die Truppen des Südflügels der Armee Below wurde nach Norden in die Gegend von Kalwarija verschoben. Hier bekam Hermann Petersen sein erstes Paket mit Wäsche. Hier konnte er am 2ten Ostertag zum erstenmal seine Unterwäsche wechseln.

Er schrieb: Wir haben heute Ruhe, damit die Lücken aufgefüllt werden. Im nächsten Brief heißt es aber wieder: Wir haben nur einige Stunden Ruhe gehabt; wir mußten wieder los.

Aus Grodno brachen zwei russiche Korps gegen die deutschen Linien vor. Es sind das die Korps 2 und 3. Sie druchschreiten den Augustower Wald und greifen Kranopol und Lodsjeje an. Die Infanterie Divisionen greifen frontal an, eine Kavallerietruppe stürmt Kopziowo und schneidet den geschlagenen Russen den Rückzug nach Grodno ab. Die Kälte peinigt alle Truppen, sie wird sogar im Heeresbericht erwähnt, die Beute in diesen Kämpfen beträgt 5400 Gefangene.

Immer wieder versuchen die Russen aus dem Augustower Forst vorzubrechen und die deutsche Front zu zerschlagen. Am 6. April [her mangler noget i originalen]

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Im Gebiet um Kalwarija
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Notbrücke und Laufgang ü. d. Szeszupa

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Alle Truppen werden in diese wilden Verzweiflungskämpfe verwickelt. Es geht bei den Russen um ihren Heimatboden. Immer wieder frischen die Kämpfe auf und steigern sich.

In Hermann Petersens Vaterhaus kommt ein Brief zurück. Darauf stand: Gefallen.

Peter Petersen schreibt an die Vorgesetzten, ob ihm mitgeteilt werden kann, wo sein Bruder den Tod gefunden hat. Darauf kommt ein Brief von Hermann Petersen, daß er gesund und munter ist.

Am 11.4. greifen die Russen an.

Die Kämpfe hören garnicht auf und brodeln immerzu.

Von den Kameraden kommt eine Karte, daß Hermann Petersen am 22.4.1915 bei Kalwarija durch einen Kopfschuß verwundet worden ist. Seine Kameraden mußten für ihn schreiben, denn ihm ist die rechte Seite gelähmt. In einer Operation wurden ihm 2 Splitter aus dem Kopf entfernt. 14 Tage später kann er schon wieder selbst mitteilen, daß er ins Lazarett Insterburg überführt worden ist.

„Ich bin soeben in Insterburg angekommen. Ich bin gut zu Wege. Ich freue mich, daß ich bald nach Hause kommen kann. Ich liege hier draußen auf dem Rasen.“

Dieser Brief kam abends mit der Post. Am nächsten Morgen um 9 Uhr kam ein Telegramm: Ihr Sohn ist diese Nacht plötzlich an einem Gehirnschlag gestorben. (5.5.1915). Donnerstag, am Himmelfahrtstag wird er beerdigt.

Da schrieb Peter Petersen ein Telegramm:

Bruder und Schwester abgereist.

Am selben Tag reisen Peter Petersen und die Schwester Minna nach Insterburg. Am Donnerstagabend treffen sie dort ein.

Am Freitagmorgen gingen sie ins Lazarett und fragen an, ob ihr Bruder schon beerdigt ist. Dort im Lazarett antworten sie: Wenn Angehörige aus der Heimat kommen, dann lassen wir gerne die Verstorbenen stehen.

Am Freitagnachmittag ist die Beerdigung.

Peter Petersen nimmt die Sachen mit, die Hermann Petersen hinterlassen hat. Darunter finden sich vier angefangene Briefe. Kein Brief ist ordentlich zuende gekriegt. Die Kopfverwundung hat den Kopf schwach gemacht.

Am 29.4.15 ist die Angriffskraft der Russen bei Kalwarija aufs Höchste angestiegen, um dann am 14.5. endgültig gebrochen zu sein.

In diesem Kampf um die Sicherung der Grenze deutschen Landes fand Hermann Petersen seinen frühen Tod.

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Die in Brand geschossene Brücke in Kalwarija
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Im Sappenkopf vor Kalwarija

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Olof Berg: Klein Wiehe / Lille Vi 1914-1918

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Sønderjyderne og Den store krig 1914 – 1918