Jacobsen, Andreas Peter (1889-)

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Andreas Peter Jacobsen 24.7.1889 –

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Meine aktive Dienstzeit war vom 12.10.1910 – 21.9.1912 bei dem Schleswig-Holsteinischen Pionier Bataillon No 9, 1. Rang, welche in Haarburg lag.

Am 2.8.1914 bin ich zum Heeresdienste einberufen worden. Ich mußte mich um 4 Uhr nachmittags mich in Flensburg in der Junkerholwegkaserne stellen. Viele alte Kameraden aus der aktiven Dienstzeit, die hier in der Gegend beheimatet waren, traf ich.

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Am anderen Morgen wurden wir um 8 Uhr verladen. In Neumünster, Hamburg und Bremen kamen neue Kameraden, die unserem Transport angegliedert wurden. In Bremen waren zwei in den Wagen gestiegen die dadurch uns auffielen, daß sie ihre Militärpässe mit den unsrigen vertauschen wollten. Wir lieferten sie in Köln bei der Bahnhofs-Militärwache ab. Ob es Spione gewesen sind?

Unser Transport ging dann nach Trier weiter, wo wir dem Pionierbataillon 27 zugeteilt wurden. Ich kam in die 2. Feldkomp.

Wir wurden nur feldmäßig eingekleidet und ausgerüstet, denn schon am 4. August abends 10 Uhr waren wir feldmarschmäßig fertig zum Ausrücken. In Trier wurden wir auf dem Bahnhof verladen. Es ging zu einem bayrischen Armeekorps nach den Vogesen.

In Gerbeville wurden wir ausgeladen. Unser Marsch ging über Dieuze, Gisselfingen nach dem Gut Oberschürzingen, wo wir starke Feldbefestigungen bauten. Ebenfalls bauten wir am Rhein-Marne Kanal und brachten Schnellbrücken nach vorne, damit die Inf. Patrouillen vorwärts kommen konnten. Die Franzosen hatten nämlich die Grenze überschritten und die Komp. Inf. in La Garde aus dem Ort geworfen.

Am 10. erfolgte der Angriffsbefehl und am 11. nahmen wir die Stadt.

Hier wurde unser Pionier Batl. Zum erstenmal richtig eingesetzt. Der Angriff brach um 930 vormittags los.

Generalbericht 11. august 1914:

Unsere Sicherungstruppen bei Lagarde in Lothringen wurden von einer vorgeschobenen gemischten Brigade des französischen 15. AK angegriffen (9.8.14). Der Gegner wird unter schweren Verlusten in den Wald von Parroy, nördlich Luneville, zurückgeworfen. Ein franz. General fällt. (Er erschoß sich als er sah, daß La Garde verloren ging) Über 1000 Gefangene wurden gemacht. Wir erbeuteten die erste französische Fahne, zwei Feldbatterien und 4 Maschinengewehre.

Beim Nachstoß weiter auf Toul zu stoßen wir auf das Fort Luneville. Es wurde von österreichischen Motorbatterien beschossen und genommen. Um unseren späteren Angriff wirken zu lassen müssen wir zurück.

Dauernd müssen wir Schützengräben auswerfen. Dabei bekomme ich mit der Kreuzhacke einen Hieb an der linken Hand. Ins Lazarett komme ich nach Frankfurt am Main.

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Saareckmühle, auf der Höhe Oberstinzel
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Gelände an der Strecke Dieuze – Metz
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Kreuz von Saarburg: das an der Bübler Straße stehende Kreuz wurde durch Granaten zerstört. Die Statue blieb unverletzt
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Angriff bei Lagarde
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Feldzug 1914

Als ich geheilt war kam ich zum Ersatz Pionier Btl. 27 in Diedenhofen.

Mit dem ersten Ersatz ging es wieder ins Feld zur 1. Res. Komp. Pionier Btl. 27. Diese waren zur Zeit Heerespioniere.

Vom 9.10.-20.12.1914 lag die Komp. auf den Maashöhen, dem Côte Lorraine, Cambreshöhe, auch dem Fort Troyon gegenüber. Wir bauten Schützengräben, zogen Drahthindernisse. Die Hindernisse mußten wir in der Nacht ziehen, denn am Tage waren wir eingesehen.

Manchmal versuchte der Franzose uns beim Drahtziehen nachts zu überfallen um Gefangene zu machen. Doch jedes Mal wurde er abgewiesen und mußte noch Tote dalassen.

Generalbericht 20. Dezember 1914:

In der Champagne scheitert ein französischer Angriff (Durchbruchsversuch in der Gegend Sonain – Massiges unter sehr schweren Verlusten. 4 Offiziere und 310 Mann wurden gefangen.

Am 21. Dezember 1914 wurden wir nach der Champagne befördert. Wir fuhren bis Somme Py, wurden ausgeladen, mußten gleich ausschwärmen und in das Gefecht eingreifen.

Vom 21.12.-23.12. lagen wir bei Pareid, vom 24.12.-30.12. 1914 in der Schlacht von Souain-Perthes les Harlus und Beausejour.

Heeresbericht 23. Dezember  1914

 Auf heftige Artillerievorbereitung am Tage zuvor folgen Infanterieangriffe auf die dtsch. Stellungen bei Souain-Pertres. Sie werden abgewiesen.

24.12. 1914 Neue frz. Angriffe bei Pertres u. Sonain werden abgewiesen.

Am 17. Dezember hatte der franz. Marschall Joffre seinen Truppen zugerufen: Die Stunde des Angriffs hat geschlagen! Er ließ das 17. Armeekorps, die 60. Res. Division und 2 Kolonialdivisionen unter dem Schutze von starker, schwerer und leichter Artillerie angreifen.

Der Sinn stand nach „Durchbruch“. Man wollte nach Deutschland durchstoßen. Und was bei uns abkömmlich war warf man zur Unterstützung der schwachen Truppen in der Champagne in die Schlacht.

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Fohrtwährend kamen Truppen, und nach einigen Tagen gelang es, die Franzosen in ihre alten Stellungen zurückzuwerfen. Doch teilweise saßen sie noch in unserer vordersten Stellung fest.

Nach dem Sturm mußten wir die Stellung ausbauen. Dabei passierte uns folgendes:

Mein Unteroffizier holte mich eines Nachts beim Schanzen ab und wollte mich an eine andere Stelle bringen. Dabei gerieten wir aus Versehen in ein Franzosennest. Wir gingen an einem Unterstand heran weil wir glaubten, es lägen Pioniere von unserer Kp. darin. Wir guckten rein, da saß der Unterstand voller Franzosen. Schleunigst sprangen wir zurück und kamen auch glücklich in unsere Stellung.

Am nächsten Abend mußten wir mit Infanterie den Unterstand gewinnen. Es gelang uns auch tadellos.

Wir hatten einen Verwundeten, der sich mit einem Franz. bajonettiert hatte. Nachdem waren sie handgreiflich miteinander geworden. Unser Inf. suchte dem Franz. die Luft abzudrücken – dabei biß ihn der Franz. in den Daumen.

Wir brachten beide (beide hatten sich gegenseitig verwundet) zum Verbandsplatz. Nachher, als wir abrückten, saßen beide einträchtlich nebeneinander und futterten Schokolade.

In den kommenden Nächten mußten wir neue Stellungen auswerfen und beseitigen. Der Franzose griff noch mehrmals heftig an – aber seine Kraft war gebrochen – alle Stellungen wurden gehalten.

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Von der Champagne kamen wir wieder in den Winkel St. Mihiel-Pout à Mousson. Wir lagen auf dem Montsec in Stellung.  15.-28. Februar 1915.

Von dort zogen wir etwas weiter rechts in die Woëvrn Ebene, auf den Côtes Lorraine, auf die Cambres Höhe. Die Franzosen hatten am 2. März.1915 auf der Cambres Höhe angegriffen und alles überrannt. Die Schützengräben hatte er alle mit schwerem Artilleriefeuer zugeschüttet, sodaß sich am hellen Tage niemand mehr sehen lassen konnte.

In der Nacht mußten wir dort arbeiten, Unterkunftsstollen und Miniergange bauen, die verschütteten Gräben ausheben.

Ein Zug unserer Komp. wurde ständig als Stoßtrupp gebraucht. Sie mußten in der Nacht die Gräben, die der Feind genommen hatte, mit Handgranaten aufrollen.

Es fanden fast jeden Tag zwei Angriffe statt. Am Morgen griff der Franzose an und am Abend warf unsere Infanterie ihn mit unserer Hilfe wieder raus.

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Die Witterung war sehr schlecht. Es regnete fast den ganzen Tag. Alles war in einen Lehmbrei verwandelt. Wir sahen aus als wenn wir aus Lehm gemacht seien. Unsere Gewehre konnten wir fast nicht gebrauchen, so voll Lehm waren sie.

Die Stiefel blieben uns mitunter sitzen, sodaß wir barfuß nach Hause kamen.

Im Frühjahr 1915 fanden auf der Cambres Höhe schwere Kämpfe statt. Bald gehörte die Höhe uns, bald war sie im Besitz der Franzosen. Der Feind griff am Morgen an. Wenn sie am Abend wieder in unserem Besitz war, so mußte unsere Kp. die Schützen und Laufgräben wieder neu ausheben.

Am Tage wurden sie in den Kämpfen zusammengeschossen. In der Nacht konnten wir ziemlich ungestört arbeiten bis auf einige schwere Granaten, die der Feind von Zeit zu Zeit herüberschickte.

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Am Tage vorher hatten unsere Truppen einen Schützengraben aufgeben müssen, aber der Feind hatte bedeutende Verluste gehabt. Besonders in einem Graben, der besonders dicht an der neuen franz. Stellung lag, lagen wohl über 200 Tote.

Als es gegen Morgen ging sollten wir abrücken, denn das feindliche Feuer wurde immer stärker. Doch kurz vorher kam unser Hpt. In Stellung und wir erhielten den Befehl von sämtlichen französischen Gefallenen Papiere, Tagebücher und Regimentsnummern zu holen. Alles sollte bei dem Divisionsbd. abgeliefert werden. Wer das meiste brächte sollte eine besondere Belohnung erhalten.

Und die wollte ich gern verdienen. Ich kannte den Laufgraben der voller franz. Toter lag ganz genau, denn wir hatten dort früher einen Handgranatenposten gehabt. Ich nahm meinen Spaten mit, denn ich wollte mich von Granatloch zu Granatloch vorgraben.

Als ich im Graben angelangt war, konnte ich feststellen, daß die Toten von 4 verschiedenen Regimentern waren.

Doch plötzlich setzte das feindliche Art. Feuer so heftig ein, daß ich nicht mehr in unsere Linie zurückkonnte. Ich blieb also scharf vor der feindl. Linie liegen.

An dieser Stelle nun machte die Linie einen Bogen nach rückwärts. Links und rechts konnte ich mehrere 100 Meter in die feindl. Stellung hineinsehen. Nun konnte ich feststellen, daß diese nur von zwei Mann die bei einem MG standen, besetzt war. Die übrige Besatzung hatte sich für die Zeit der Beschießung zurückgezogen.

Ich mußte bis zum Nachmittag liegen bleiben, dann ließ erst der heftige Beschuß nach. Aber auch sofort besetzen die Franzosen die Stellung wieder voll.

Ich kroch langsam auf unsere Stellung zurück. Kurz vor unserer Stellung entdeckte ich noch jemanden in einem Trichter. Ich hatte seinen Kopf gesehen wie er sich schnell umblickte und sich dann bückte. Er hatte mich auch gesehen – traute sich aber nicht, weil er nicht wußte ob er Freund oder Feind vor sich hatte.

Ich winkte einigemal mit der Hand zu ihm hin und dabei hatte er mich an meinem Ärmelaufschlag als Freund erkannt. Auf einmal kam er auf mich zugesprungen und warf sich bei mir im Granattrichter nieder. Er war außer sich vor Freude. Er gehörte zu den Bayern die am Abend vor zwei Tagen gestürmt hatten. Nachts hätte er die Stellung nicht finden können. Am Tage habe er wohl eine Stellung gesehen, habe aber nicht gewußt – war es die deutsche oder französische. Da sei er lieber liegengeblieben.

In seinem Granatloch lag noch ein bayrischer Offizier mit einem Rückenschuß. Mit dem Spaten arbeiteten wir uns an ihn heran. Auf dem Bauche kriechend ging unsere Reise weiter. Wir nahmen ihn zwischen uns – ich zog ihn an den Armen und der Bayer schob an den Füßen. So kamen wir glücklich an unseren Laufgraben und trugen dann den Offizier zum Verbandsplatz. Ich mußte dann zum Divisions-Kommandeur um die gesammelten Sachen abzugeben.

Gleichzeitig machte ich Meldung, daß der Gräben während des Schießens nur schwach besetzt sei und daß dort ein feindl. MG mit zwei Posten stände.

Unser Hauptmann, der auch zugegen war, erbat sich die Erlaubnis das MG von seinen Leuten holen zu lassen. Es meldeten sich von dem Zug der in Ruhe lag 2 Gruppen Freiwillige. In der Nacht sollten sie das MG holen.

Ich ging in meine Sappe an meine Arbeit. Die Gruppen versuchten den Raub, konnten aber das MG nicht finden. So holten sie mich von meiner Arbeit weg. Ich führte, und so krochen wir hintereinander an die Stelle von wo ich das Gewehr gesehen hatte. Auch der Doppelposten stand noch da.

Zu dem Unternehmen waren Handgranaten angefertigt worden. Das waren Sprengkörper auf ein Brett gebunden und mit einem Streichholz angezündet. Ich [In] einem Granatloch zündete ich die Handgranate an und warf sie zwischen die zwei Mann. Die schrien laut auf.

Ich aber packte schnell das MG und brachte es in unsere Stellung. Wir hatten keine Verluste, denn wir wurden kaum beschossen. Es hatte uns wohl niemand bemerkt.

Nachdem das Gewehr in Sicherheit gebracht war, kam der Befehl die am Tage vorher verlorene Stellung durch einen Rollangriff wieder zu nehmen.

Von 2 Seiten wurde dem Graben zu Leibe gegangen. Wir sprangen von Schulterwehr zu Schulterwehr und warfen unsere Handgranaten. Dabei schoß der Franzmann dauernd mit MG’s auf uns.

Als wir mit unserem anderen Trupp uns in der Mitte trafen, fiel mir auf, daß sehr zahlreiche Franzosen mit dem Gesicht nach unten im Graben lagen. Das kam uns verdächtig vor. Einer unserer Pioniere nahm sein Seitengewehr und stach es einem durch die Brust. Da fing er zu stöhnen und jammern an. Da drehten wir alle auf den Rücken und entdeckten, daß sie alle Handgranaten in den Händen hielten und in den Taschen hatten. Sie stellten sich nur tot. Sie wollten uns von rückwärts angreifen wenn wir weiter vorgegangen wären. Als ihnen unsere Kolben die Sprache wiedergegeben hatten, gaben sie es auch zu. Die Stellung war wieder genommen und über 20 Gefangene brachten wir mit.

Besonders stark griff der Franzose an den Ostertagen an. Unser Zug hatte in der Nacht an Schützengräben gearbeitet die am Tage zuvor eingeebnet worden waren. Wir sollten von einem Zug der in Ruhe lag abgelöst werden – Doch ehe wir abgelöst wurden, griff der Feind im Morgengrauen an.

Zuerst einen kurzen aber heftigen Feuerüberfall und dann stürmten seine Leute in dichten Kolonnen an. Wir mußten bei der Infanterie mit einspringen, aber schießen konnten wir nicht, denn Unsere Gewehre waren vollkommen verdreckt. In der letzten Regenzeit war alles in einen Lehmbrei verwandelt worden.

Wir griffen zu Handgranaten. Der Infanterie ging es ebenso; sie konnte sich auch nur mit Handgranaten wehren.

Endlich war ein MG klar. Es griff in den Kampf ein – und der Angriff kam zum Stehen. Sofort setzte das feindliche Artilleriefeuer auf unsere Stellung wieder ein. Wir hatten sehr starke Verluste – aber – ein zweites MG stand fahrbereit – Munition war da und Handgranaten auch.

Darauf setzte der Angriff wieder ein, der aber seinen Weg einen Komp. Abschnitt weiter nach links nahm. Da das Gelände nach links ziemlich steil abfiel, konnten wir den Vorgang gut beobachten.

Unsere MG griffen auch sofort mit ein und unter dem Flankenfeuer brach der Angriff zusammen. Rechts von uns war der Franzose in die Stellung eingedrungen. Er versuchte nun nach rechts, also nach uns seinen Einbruch zu vergrößern.

Wir setzten sofort zum Gegenangriff an und vertrieben ihn um 200 Meter. Da war der Graben zugeschüttet und da ein feindliches MG den so flachgewordenen Graben bestrich, konnten wir den Franzosen nicht nachsetzen.

Bald zerschmetterte die feindl. Art. den Graben immer mehr. Er wollte alles einebnen um dann dort, wie sich niemand an dem Ort aufhalten konnte, durchzubrechen. Eines unser MG wurde dort postiert um die Bresche abzuriegeln. Es bekam aber einen Treffer und wurde unbrauchbar.

Um ½9 setzte der Franzose erneut an und stieß durch die Bresche. So bekamen wir Feuer aus der Flanke. Anfangs konnte unser anderes MG nicht vorne den Feind in Schach halten – bald aber bekam es Ladehemmung. Unsere Handgranaten waren verworfen.

Wir mußten ausrücken, wenn wir nicht in Gefangenschaft fallen wollten.

Zuerst versuchten wir durch die Laufgraben weg zu kommen. Dort legte der Feind aber Sperrfeuer. Ich wurde fast verschüttet. Eine Granate schlug eine Schulterwehr bei mir ein und klemmte meine Beine fest. Mit dem Spaten konnte ich mich etwas befreien.

Doch der Franzmann rückte immer näher heran, kurz entschlossen ließ ich meine Stiefel stecken und barfuß gings über Deckung.

An einem Abhang wurden wir wieder gesammelt. Dort stand ein Major. Der ließ immer zum Sturm blasen – aber wir waren zu wenig. Es sammelten sich nur etwa 30 Mann.

Zuerst wollte er, trotzdem wir so wenig waren, mit uns vorgehen. Da bemerkten wir, daß er die ganze Höhe in Besitz genommen hatte, ja, er wollte jetzt den Abhang auch noch von uns säubern.

Bei einigen Unterständen und einer Bretterbude, bei der Handgranaten gelagert waren, richteten wir uns zur Verteidigung ein. Nach rückwärts wurden Melder geschickt die Art. anfordern sollten. Kein Schuß fiel mehr von unserer Seite; kein Art. Beobachter war mehr bei uns, Signale hatten wir nicht. Alles, mit dem wir uns hätten verständigen können, war verloren gegangen.

Der Major ließ noch immer blasen. Endlich kam ein MG mit Bedienung aus dem Dorf, in dem auch der Divisionsstab lag. Dieser hatte alle Mannschaften die irgend entbehrlich werden konnten, Melder, Schreiber, Burschen u.s.w., zusammengerafft und uns zu Hilfe geschickt.

Jetzt waren wir wieder 80 Mann. Nun konnte unsere Verteidigung auch fest werden. Der Feind begann schon auf dem Kamm zu schanzen, dich als unser Art. Feuer einsetzte, zog er seine Linie etwas zurück.

Er griff auch nicht mehr an. Seine Truppen waren wohl auch fertig.

Am Abend kam eine bayrische Division. Sie marschierte bei uns auf und wir konnten abrücken. Ich hatte meine Füße in Sandsäcke gewickelt und fuhr mit meinem Lazarettwagen in mein Quartier.

Am 23. April 1915 kamen wir nach Les Esparges. Dort sollte ein größeres Gefecht stattfinden. Die Sturmstellung war schon gebaut. Wir sollten bei dem Hamburger Regiment No 76 als Stoßtrupp dienen.

Auf jede Inf. Kp. kam ein Unteroffizier mit 12 Mann. Die Pioniere mußten 3 Minuten vor der Inf. vorgehen und die Hindernisse wegräumen.

Die Komp. der ich zugeteilt war kam zuerst mit ihrem Angriff ins Stocken. Die meisten Pioniere waren durch MG Feuer gefallen. Nur noch drei Mann kamen zu Drahtschneiden.

Dadurch kamen wir langsam vorwärts. Die Anschlußkomp. rechts und links kamen besser voran und griffen jetzt mit in unseren Abschnitt über. Nun kamen wir auch vor.

Der uns gegenüberliegende Franzose hatte eben vorm Sturm Verstärkung erhalten und das half mit unseren Angriff zuerst wieder zu halten. Gleich hinter der Inf. Stellung stand franz. leichte und schwere Art. die nach der Cambres Höhe schoß. Wir sollten von hier aus die Cambres Höhe entlasten. (Der letzte Grund der schweren Kämpfe auf dem Côtes Lorraines war, daß von hier aus ein deutscher Durchbruch die Festung Verdun zu Fall bringen konnte. Fiel die, so wurde sich die franz. Front aufrollen).

Die franz. leichte Art. wehrte sich bis zum Letzten. Als unsere Sturmwelle dicht davor lag schossen die Geschütze noch mit Kartätschen. Wir mußten uns teilen, damit wir den Batterien in den Rücken kamen.

Das gelang uns. Der Angriff kam erst vor dem Fort Iroyon zum Stehen. Bald mußte unsere Linie zurückgenommen werden da sie zu sehr in der Luft hing und wir Gefahr liefen abgeguntscht zu werden. In unserem Komp. Abschnitt hatten wir 16 Geschütze erobert; 12 schwere und 4 Feld-Geschütze. Alle mußten gesprengt werden, vier schwere sprengte ich mit eigener Hand.

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Foto: Die Bedienung des obigen Geschützes.
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Bois Haut ; Hauts de Meuse / Hohe Wald; Wald von Meuse
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Foto: Les accessoires de la Villa Héléne April 1915. Deutsch : Was zur Villa Helene gehört

Die Bilder gehörten einem franz. Offizier. Der wollte sie gerade vergraben als ich sie ihm abnahm. Es waren unsere 100 Stück.

Die Division bekam von meinem Raub wohl Wind und forderte sie mir alle ab. Nur ganz harmlose bekam ich wieder. Das Bild des großen Geschützes gaben sie dann als Postkarte heraus. Auf dem Bild auf dieser Seite handelt es sich um eine Vorrichtung, um einem Eichenbaum den Saft zu entziehen. Dieser Saft wurde dann dem gelieferten Wein zugesetzt. So bekam der mehr „Kiet!“

Mehr als 2000 Gefangene wurden gemacht, darunter der General der Art. mit seinem Stab. An sonstiger Beute hatten wir: Pferde, Lastautos, Fahrräder und noch vieles andere Gerät.

Heeres Bericht 24. april 1915

Bei St. Remy, südwestl. von Cambres, erstürmten die deutschen mehrere hintereinander liegende franz. Linien. Wiedereroberungsversuche scheitern unter schweren Verlusten. 1600 Franzosen wurden gefangen genommen, 17 Geschütze erbeutet.

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Zeichnung: Stellung im Priesterwald

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Heeresbericht 25. april 1915

Auf den Maashöhen gehen die deutschen auf nordwestlich von Cambres zum Angriff über und erstürmten mehrere hintereinander liegende Bergrücken bis westlich von Les Eparges.

Heeresbericht 26. april 1915

Bei Les Eparges wird der deutsche Angriff trotz Eingreifens feindlicher Verstärkungen vorgetragen. Französische Angriffe gegen die Cambres Stellung werden abgeschlagen.

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Heeresbericht 29. april 1915

Nach weiteren deutschen Erfolgen bei Les Esparges erfolgt der franz. Gegenangriff, der abgewiesen wird. Die feindlichen Verluste allein an Gefangenen betragen hier seit dem 24.4. über 4000 Mann.

Nach dem Sturm wurden wir herausgezogen und kommen nach dem Priesterwald.

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Am 3.5.1915 marschieren wir nach Fey en Heye, wo wir beim Stellungsbau halfen.

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Auch mußten wir an einer gewaltsamen Patrouille teilnehmen. Das waren Patrouillen, wo auf jeden Fall Gefangene gemacht werden.

Am 18.6. 1915 marschierten wir weiter nach links nach dem Priesterwald.

Er stand dort ein Kreuz Croix des Carmes – ein Heiligenbild mitten zwischen den Stellungen. Es sollten nach einer Sage an der Stelle mehrere Priester gesteinigt worden sein. (Zu Deutsch heißt es: Kreuz der Schmerzen).

Kurz bevor wir kamen hatten mehrere große franz. Sprengungen stattgefunden.

Vor unserer Stellung lag, ganz deutlich zu sehen, Pont a Mousson.

Zur Verständigung der Sprengungen möge ein Minierplan dienen. Die blauen Kreise sind deutsche Sprengungen; die roten der Franzosen. Das Datum der Sprengung ist eingetragen. Spürten wir feindl. Miniertätigkeit, so trieben wir unsere Stollen immer tiefer (siehe die dabeistehenden m-Zahlen), bis wir unter dem Franzmann waren. Gelang es uns, dann sprengten wir um den feindl. Stollen abzuquetschen.

Also: abquetschen ist Verteidigung, Vortreiben der Stollen zum feindlichen Graben ist Angriff.

Manchmal ist im Minierplan auch die Menge des Sprengmittels eingetragen. Über die Kampflage der Sprengangelegenheit mußte sorgsamst Buch und Skizze geführt werden.

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Zeichnung: Croix des Carmes im Priesterwald
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Zeichnung: Grande Tranchee de Calonne

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Bevor wir am 4.-8. Juli 15 im Priesterwald stürmten, hatten wir die alten Minierstollen von einer anderen Kp. übernommen.

In einem der Stollen konnten wir feststellen, daß der Feind nahe daran war, in unsere Stollen hineinzuarbeiten. Und zwar kam er in der Mitte. Der Stollen von uns hatte stillgelegen – und so hatten wir es zu spät gemerkt. Wir hatten keine Zeit mehr den Stollen zu laden, abzudämmen und zu sprengen.

Es wurde beschlossen den Feind möglichst gefangen zu nehmen. Dazu meldete ich mich und noch einer mehr.

Es wurde hinter der Stelle, an der der Feind wohl durchbrechen würde, schnell eine Sandsackwand hingebaut. In der Mitte war ein kleines Loch zum Durchsehen.

Wir setzten uns nun dahinter, wohlversehen mit Pistole und Handgranaten. Wir wollten, wenn der Feind in unseren Stollen eindrang, die Sandsackwand einwerfen, den Feind packen und gefangen nehmen.

Wir brauchten auch nicht lange warten, denn bald brach die Wand ein und der Kopf eines Franzosen ragte in unseren Stollen herein. Er sah immer unsere Sandsackwand an, als wenn er etwas dahinter vermute. Wir saßen mäuschenstill und rührten uns nicht.

Nach etwa einer Stunde getraute er sich endlich in unseren Stollen zu kriechen. Als er weit genug darin war, warfen wir die Sandsackwand um und krochen nach seinem Stollen. Wir wollten verhindern, daß noch mehr Franzosen nachdrangen. Richtig, im franz. Stollen saß noch einer.

Wir schossen auf ihn – er riß sich hoch und floh nach franz. Seite. Dabei verlor er seine Mütze die mit einem goldenen Streifen schmückt war. Es war ein Sergant. Der Franzose der in unserem Stollen war mag sich nicht schlecht erschrocken haben, als hinter ihm Schüsse fielen. Er warf und eine Handgranate entgegen. Wir waren aber fix, faßten die Handgranate und warfen sie zurück. Sie explodierte und verwundete ihn leicht. Er ergab sich dann als Gefangener.

Nun holten wir uns Pioniere und Infanteristen und drangen im französischen Stollen vorwärts. Bis in den feindlichen Graben konnten wir nicht gelangen, denn der Feind ward dauernd Handgranaten in den Stollen.

Feststellen aber konnten wir doch, daß der Franzose in seinem Stollen noch einen Senkschacht getrieben hatte. Mit dem war er ein ganzes Stück vorwärts gekommen. Wir verbauten den Stollen, setzten eine Ladung dahinter die in die Luft ging wenn dran gerührt wurde, und zogen uns zurück.

Bald saß der Feind so tief unter unserer Stellung, daß ein Abquetschen nicht mehr möglich war. Um ein Sprengen von ihm zu verhüten, mußte gestürmt werden. Dann kam unsere erste Linie aus der Gefahrenzone.

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Priesterwald

Am 4.7. 1915 wurde angegriffen. Wir Pioniere wurden verteilt und den Kp. als Stoßtrupps zugewiesen. Unsere Aufgabe war mit der Inf. vorzugehen, die Stollen zu besetzen und die Ladungen unschädlich zu machen.

Wirklich, die Stollen waren geladen, aber keine Zündschnur brannte schon. Wir nahmen alle seine Pioniere gefangen.

Nach dem Sturm wurden zuerst Verbindungen hergestellt, damit unsere neue Kampflinie neue Zufuhr bekommen konnte. Wir verbanden einfach unsere Stollen mit den französischen. Nun konnte schon am Abend die Verstärkung unterirdisch in den ersten Graben einrücken.

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Heeresbericht 4. juli 1915

Zur Zurückeroberung der am Westrande des Priesterwaldes nach und nach eingebüßten Stellungen setzten die Deutschen einen starken Angriff an. Zunächst stößt eine Abteilung nahe der Mosel vor und sprengt 5 Blockhäuser.

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Nachmittag werden die Gräben beiderseits Croix des Carmes in einer Breite von 1½ km unter schweren feindlichen Verlusten erstürmt und über 1000 Gefangene, drei Geschütze, Maschinengewehre, Minenwerfer und ein Pionierpark erbeutet.

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Heeresbericht 7.  Juli 1915

Zahlreiche Gegenangriffe bei Croix des Carmes im Priesterwald werden zurückgeworfen.

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Heeresbericht 8. Juli 1915

Im Priesterwald erstürmen die Deutschen weitere an ihre Stellungen östlich anschließende Gräben.

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Prieserwald

Nachdem wir die Franzosen am 8.7. aus ihren Stellungen geworfen hatten mußte die Kp. sogleich mit dem Minieren anfangen. Wir arbeiteten in 4 Schichten; jede Schicht 8 Stunden. Meine Schicht sollte mittags abgelöst werden.

Es war aber der Ablösung unmöglich nach vorn zu kommen, denn der Feind hatte einen Sperrfeuerriegel dazwischen gelegt.

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Es war uns bekannt daß er angreifen wollte. Wir hatten uns schon Handgranaten in unseren Stollen bereitgestellt.

Beim Dunkelwerden griff er an und zwar in Gruppenkolonnen. Wir wurden zur Einbruchstelle geholt um die Inf. mit Handgranaten zu unterstützen. (Im Anfang des Krieges wurde die Handgranate fast nur von den Pionieren verwendet; später von allen Truppen). Aber auch unsere Handgranaten reichten nicht lange aus und der Feind drängte scharf nach.

Inzwischen hatten die Flammenwerfer ihre Apparate nach vorn gebracht. Nun griffen die in den Kampf ein. Für den Feind gab es kein Halten mehr. Im Nu stand der ganze Wald in Flammen. Die vom Flammenstrahl getroffenen Franzosen rissen sich die Kleider vom Leibe und flohen so schnell sie konnten.

Nachdem der Angriff abgeschlagen war, mußten wir Posten stehen. Vielleicht griff der Feind ja nochmal an.

Das Art. Feuer setzte darauf wieder mit aller Gewalt ein. Ich stand an einer Schulterwehr und merkte wohl, daß neben mir etwas niederfiel. Im selben Augenblick krachte es. Eine Mine war neben mir explodiert, hatte mich vom Schützenstand heruntergeworfen und mich fast verschüttet.

Ich wollte wieder aufstehen, konnte es aber nicht. Der Luftdruck der Explosion hatte meine Brust zusammengequetscht. Zudem hatte ich Splitter im Rücken und Arm bekommen. Ich konnte wohl merken wie mir das Blut herunterlief.

Ein paar Pioniere hatten die Mine  hochgehen und mich fallen sehen. Sie kamen gleich zur Hilfe. Man packte mich in eine Zeltbahn und trug mich zum Verbandsplatz. Unterwegs mußten wir den Laufgraben passieren.

Der war, wie das Bild auf der anderen Seite zeigt, abgedeckt.

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Der Franzose konnte ihn vom Fesselballon einsehen.

Zeigte sich Verkehr, so nahm er ihn unter Feuer. Vom Verbandplatz kam ich ins Lazarett Bayonville.

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Tekst i billedet: Auf diesem Wege sind wir marschiert.

Da legte man mich meiner Lungenverletzung wegen in das dort liegende Seuchenlazarett. Da meine Verwundung sich als schlimmer als gedacht herausstellte, kam ich zur Sanitätskp. Nr. 222 in Noviant.

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Dort lag ich 4 Wochen in guter Pflege und bekam nach meiner Wiederherstellung auf Urlaub.

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Nach meinem Urlaub fuhr ich an die Front zurück. Da brannte unser Etappenort Pagny.

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Pagny a.d. Mosel
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Pagny a.d. Mosel
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Pagny a.d. Mosel 22. august 1915

Heeresbericht 10. Juli 1915 

 Ein franz. Vorstoß im Priesterwald bleibt erfolglos.

Heeresbericht 14. Juli 1915

Täglich wiederholte Rückeroberungsversuche der Franzosen im Priesterwalde bleiben erfolglos.

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Unser Quartierort war Villers sous Preny.

Von der Komp. bekam ich folgendes Schreiben:

Belobigung für Tapferkeit, der Heimat zum Schutz, dem Reich und Ehr‘. Unteroffizier Andreas Jacobsen hat sich in den Kämpfen des Minenkrieges durch besondere Umsicht, Tapferkeit und Unerschrockenheit ausgezeichnet. Seinen Kameraden war er ein hervorragendes Beispiel soldatischer Tüchtigkeit. Die Komp. widmet ihm dieses Gedenkblatt zur besonderen Anerkennung und Erinnerung.

Priesterwald im August 1916

Ltn. d. L.  Gez. Großwendt

Hpt.      gez. Jürgensmeyer

Ltn. d. Res. Himmersbach

Es gelang den Franzosen einen Stollen zu sprengen. Doch die Ladung schlug nach hinten. Durch den Angriff hatte er nicht genug Zeit gehabt zum Verdämmen. Dadurch hatte er uns nicht geschädigt, er hatte sich nur selbst Verluste zugefügt, wie wir nachher feststellen konnten.

Wir mußten auch an der letzten Stelle mit Minieren beginnen. Unser Abschnitt war 1500 meter lang. Als wir einige Wahen miniert hatten, konnten wir den Feind wieder hören. Er trieb auch Stollen vor.

In der Mitte zwischen den Stellungen trafen wir uns. Aber wir saßen tiefer und konnten die feindlichen Stollen abquetschen.

An einigen Stollen wurde heftig unter der Erde gekämpft. Wir hatten auch dabei Verluste.

Bevor der Winter kam, waren wir mit unseren Stollen fast fertig. Wir konnten in unserem Abschnitt von einem Stollen zum anderen gehen. Alle waren miteinander verbunden. Dies kam uns manchmal gut zu statten, denn der Feind machte oft gewaltsame Patrouillen und versuchte unsere Stolleneingänge einzusprengen.

Ebenfalls warfen sie Ladungen und Handgranaten in die Stolleneingänge um uns Schaden zuzufügen.

Sobald wir das merkten, verließen wir den Stollen, kamen durch einen heraus und griffen den Franzosen mit Handgranaten an. Oftmals machten wir auch Gefangene.

Ich hatte die Aufsicht über 6 Stollen. In 5 wurde gearbeitet; im sechsten wurde abgehorcht, es war dort ein Horchapparat eingebaut. Wir arbeiteten in 4 Schichten, jede zu 8 Stunden. Als ich am Morgen ablöste und die Stollen revidierte, kam ein Gefreiter zu mir und meldete, daß unser Horchstollen vom Feind besetzt sei. Wie wir hin kamen schoß er auf uns mit Pistolen. Wir liefen und holten uns Handgranaten. Wir warfen Handgranaten in den Stollen und kletterten gleich hinterher.

Wir kamen bis zur Mitte; da hatte der Franzose den Stollen mit einer Bohlenwand verbaut. Er saß dahinter und schoß auf uns. Er konnte uns im Dunkeln nicht sehen. Er aber hatte eine brennende Taschenlampe auf der Brust hängen. Wir schossen durch eine Spalte auf die Lampe.

Wir mußten ihn getroffen gehaben, denn er ließ alles liegen und verließ den Stollen. Nachdem wir die Tür entfernt hatten, gingen wir vor und nahmen ihnen wieder den ganzen Stollen ab. Wir drangen auch in seine Sappe ein und brachten einen Stahlhelm und zwei Gewehre mit zurück.

Nachdem wir den feindlichen Stolleneingang verbaut hatten, setzten wir dort eine größere Ladung ein, die sich selbst entzündete, wenn jemand an der Wand rührte. Somit hatten wir ihm die Möglichkeit genommen an dieser Stelle weiter zu minieren.

Der Zeitungsbericht erzählt von einem anderen Vorkommnis, das in einer anderen Schlacht geschah.

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Am 27.10. 1916 marschierten wir nach Verdun.

Wir kamen in die Nähe von Fort Douaumont.

Dort mußten wir Reservestellungen und Unterkunftsstollen bauen, Draht ziehen und die Wege nach dem Fort aufräumen. Doch diese Arbeiten waren fast sinnlos und unmöglich, denn der Feind schoß alles kurz und klein. So bösartig war man da vor Verdun aufeinander, dass die französischen Flugzeuge jeden Einzelnen, der sich zeigte, mit MG jagte.

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Wo wir eigentlich gewesen sind? Ich kenne fast keinen Ortsnamen, alles war ja zerschossen. Wir lagen beständig auf völlig zerschossenem Felde.

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Verdun

Ich erinnere mich mehr als Tod, Verderben, Schmerzen und unmenschliche Arbeit. Die war körperlich schwer und seelisch fast nicht zu ertragen, da doch alles vergebens war.

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Verdun

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Ich erinnere, daß wir einmal an einem Abhang Stollen bauten. Unten im Grunde stand eine Batterie schwerster Geschütze der Explosionsdruck zerdrückte uns fast das Trommelfell, daß die Ohren stundenlang gellten und das Ohrhör für Tage verschwand. Dazu warf uns der Druck mit unwiderstehlicher Gewalt kopfüber in die Stollen hinein.

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Am 24. Dezember 1916 rückten wir von dort ab und kamen nach ____________.

Dort bauten wir wieder an Reservestellungen, denn der Feind hatte fast alle Höhen besetzt. Es war dort sehr naß, denn wir hatten große Strecken unter Wasser gesetzt um das Gelände für den Feind schwer passierbar zu machen. Zwischen den Überschwemmungen bauten wir Verteidigungsstellungen mit Unterständen.

Es mußten dauernd 2-3 Pumpen in Betrieb sein um die Stollen von Wasser frei zu halten. Versagten einmal die Pumpen, dann versoff alles. Jegliche Arbeit wurde dann unmöglich.

Unsere Pioniere mußten in immer nassen Kleidern arbeiten, wir dich nur 20 Tage – und doch wurden alle krank.

Verdun ist für das deutsche Volk der Friedhof geworden. Nirgendwo ist der Krieg häßlicher und tiermäßiger gewesen.

Endlich am 14. Januar 1917 ging es fort; die Bahn brachte uns nach Anizy an der Oise. Da war auch Not am Mann.

Um Verdun zu entlasten, hatten die Franzosen gegen und um den Chemin des Dames wütende Kämpfe geführt. Wir mußten sofort Vorbereitungen für den Rückzug nach der Pionierstellung treffen.

Es sollte ja alles gesprengt und zerstört werden. Leitungen mußten gelegt; die Munition mußte heran und so gelagert werden, daß sie schnell zur Hand war. In unserem Abschnitt lag der Kreutzot Kanal mit 4 Brücken und 4 Schleusen. Dahinter floß ein breiter Bach der auch 4 Brücken hatte, alles aus Eisen und Zement.

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Außerdem hatten wir 4 Dörfer die auch mit ihren Brunnen gesprengt werden sollten. Dazu wurden alle Bäume abgehauen und überall Stauwehren angelegt um im letzten Augenblick das Land unter Wasser zu setzten.

Wir verwüsteten das Land von Grund auf, erstens um das Nachrücken zu verlangsamen – aber dann auch um den Feind zu zwingen zuerst seine schwere Artillerie hinten zu lassen. Wie müssen die Franzosen gearbeitet haben um ihre Transporte, Munition, Lebensmittel, Wasser etc in die erste Linie zu bringen.

Auch hatten wir eine große Kolonnenbrücke hinter unserer Front zu bauen. Sie war 200 m lang und führte über einen Sumpf.

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Sie sollte der Art. und ihren Munitionskolonnen dienen. Als sie fertig war kamen wir zur Inf. um diese beim Rückzug zu unterstützen. Alle festen Stützpunkte und Stollen, Unterkunftsbarraken, Sommerhäuser, kurz alles, was fleißige Soldatenhand gebaut hatte wurde jetzt vernichtet.

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Was bei Verdun die Granaten zur Vernichtung brauchten, das zerpflügten wir hier mit eigener Hand. Millionenwerte wurden vernichtet.

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Die Mannschaftsstollen bekamen versteckte Ladung mit Steckuhren die so gestellt waren, daß im Zeitraum der wahrscheinlichen feindlichen Besitzergreifung der Bunker in die Luft ging.

Während dieses Rückzuges hatten wir auf Befehlt Keller und Häuser zu sprengen. Im Dorfe Vauxaillon waren noch einige Keller heilgeblieben. Die konnten dem Feind zur Unterkunft dienen, uns aber sehr hinderlich werden, da Vauxaillon sehr dicht an der Siegfriedsstellung lag.

Von unserer Infanterie war das Dorf schon aufgegeben. Wir mußten aber unseren Auftrag erfüllen. Ich bekam den Auftrag und einen Zug Pioniere in die Hand gedrückt. Jeder von uns mußte Munition tragen und war so überlastet, daß wir unsere Gewehre zurücklassen mußten.

Das Sprengen ging schnell voran, da sah ein Pionier, daß die Franzosen versuchten uns gefangen zu nehmen. Einer blies Alarm und dann gings im Laufschritt zum Bahndamm. Hier stand an einer Brücke eines unserer MG, das sofort die Franzosen beschoß.

Wir waren alle dem Feind entkommen, wenn wir auch 8 Verwundete hatten. Niemand von uns wollte aber in Gefangenschaft fallen, denn die Franzosen waren der Verwüstung wegen ganz besonders auf uns Pioniere verbittert.

Wie war es zum Überfall gekommen? Der Feind hatte die Inf. Kp., die Vauxaillon während der Sprengung gegen den Feind sichern sollte, gefangen genommen.

Heeresbericht 2. Juni 1917

Ohne vom Feind bemerkt oder gestört zu werden, verlegen wir unsere Kampflinien vom Chemins des Dames, wie seit längerer Zeit beabsichtigt war, zurück.

Drei Tage später erhielt ich wieder einen ähnlichen Auftrag. Ich sollte mit meinem Zug nach der Höhle 118 rücken, dort Sprengmunition empfangen und im Vorgelände noch einige in den Berg gebaute Ställe sprengen. In der Nacht marschierten wir aus unserem Quartier ab um im Morgengrauen in der Höhle zu sein. Von dort aus sollte Infanterie uns nach vorn begleiten. Es kam aber nicht so weit.

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Unsere Stellung lag unter einem heftigen Trommelfeuer. In einer Feuerpause kamen wir an die Höhle heran.

Da setzte das Feuer wieder ein – uns blieb nichts anderes übrig als in der Höhle zu bleiben. Als nach einer Stunde das Feuer nachließ und wir den Kopf raussteckten, war franz. Infanterie vor der Höhle und versuchte einzudringen. Ein MG von uns verhinderte das aber.

Wir sahen, wie die erste franz. Welle weiter vorging. Gleich kam die zweite Welle – die auch weiterging, aber einen Tank vor unserer Höhle liegen ließ. (Die franz. Wellen bestanden aus Schwarzen). Der Tank legte sich vor den Eingang und beschoß uns mit MG und Granaten.

In der Höhle war aber eine Funkstation. Dies nahm mit unserer Art. Verbindung auf und lenkte Feuer von einem 21 cm Geschütz hierher. Die ersten beiden Schüsse zertrümmerten schon den Tank. Nun hatten wir Luft bekommen. Schnell besetzten wir einen Teil der vorhandenen Schützengräben.

Uns gegenüber lag noch eine Höhle deren Besatzung sich auch gehalten hatte. Wir vereinigten uns mit den Kameraden. Nun waren wir 120 Mann stark und hatten 3 MG.

Kaum war unsere Stellung von uns besetzt, als auch schon feindliche Beobachter und Stäbe heranrückten um sich in den Höhlen einzuquartieren.

Aber unsere MG machten schnelle Arbeit, waren die Heranrückenden doch garnicht darauf gefaßt Widerstand zu finden.

Sie kamen ahnungslos daher, rannten in unser Feuer und fielen fast ausnahmslos. Unsere Funkstation hatte inzwischen mit der Division Verbindung genommen.

Wir erhielten den Befehl nach dem Dorfe Pion zu durchzubrechen.

Wir sammelten uns und marschierten gruppenweise mit 100 m Abstand ab. Von der Höhle hatten wir nun 100 m, dann tauchten wir im Wald unter und konnten uns gedeckt vorwärts bewegen. Ein MG sicherte den Rückzug.

Der Funkspruch hatte uns auch mitgeteilt, daß der Feind etwa 100 m vor Pinon läge, das Dorf selbst aber im Besitze unserer Truppen sei. Kurz vor dem Dorf Pinon sammelten wir uns und schwärmten in 2 Zügen aus. Der eine Zug sollte uns den Rücken decken.

Die Artillerie hatte an der geplanten Durchbruchstelle kräftig vorgearbeitet, sodaß wir eigentlich nur geringen Widerstand vorfanden.

In der franz. ersten Linie lagen meist nur Schwarze. Gefangene wurden von uns nicht gemacht.

Wir wurden von unseren Truppen mit Jubel empfangen. Wir Pioniere konnten gleicht abrücken, da wir Stellungen bauen mussten.

Nach 3 Tagen waren unsere Truppen wieder im Besitze der Siegfriedstellung und damit auch der Steinbruchhöhle 118.

Heeresbericht 20.6.1917

An der Aisnefront stürmten die Deutschen bei Vauxaillon die franz. Stellungen in 1500 m Breite und stoßen mit einzelnen Truppen bis in die feindl. Reservestellungen vor.

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Dieser Rückzug, von dem ich erzählte, ging schnell von statten, aber der Feind rückte äußerst schnell nach. Für uns verwandte er hier zum ersten Mal Tanks. Sie kamen aber nur sehr langsam vorwärts und wurden schnell abgeschossen.

Nachdem die Kämpfe etwas nachließen, wurden wir weiter nach links an den Chemin des Dames geschoben und wurden der 211. Inf. Division unterstellt.

Die Inf. der Division hatte durch einen Angriff schwere Verluste gehabt. Unsere Pionierkp. mußte einen ganzen Regt. Abschnitt übernehmen. Das Inf. Regt. wurde zurückgezogen, wurde neu aufgefüllt und kam dann in Reserve.

Während wir Inf. Dienst taten, mußten wir auch gewaltsame Patrouillen unternehmen. Es sollte festgestellt werden, welche Truppen uns gegenüber lagen.

Die Patrouillie war 2 Untffz. Und 25 Mann stark und stand unter meiner Führung. Art. und Minenwerfer mußten sich am Tage vorher einschießen. Früh im Morgengrauen sollte die Sache losgehen.

Die Feuervorbereitung war 1000 Schuß. Als der letzte Schuß raus war, stürmten wir vorwärts. In der franz. Sappe standen 3 Mann und hielten schon die Hände hoch.

Von der eigentlichen Stellung war nichts mehr zu sehen. Es war alles eingeebnet. Wir fanden einen heilgebliebenen Unterstand der von Franzosen besetzt war. Da sie sich nicht ergeben wollten sprengten wir den Unterstand ein. Wir suchten weiter, fanden aber Niemanden mehr. Allmählich wurde es hell. Wir mußten zurück.

Beim Zurückgehen gerieten wir in MG Flankenfeuer und hatten einen Verwundeten. Im Ganzen war die Patrouille gut verlaufen, unseren Auftrag hatten wir erfüllt.

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Pionérsoldater

Einmal hatte der Franzose die Front eingedrückt. Als die Kämpfe abflauten, sollte die verlorene Stellung wieder genommen werden. Dafür sollte eine gewaltsame Patrouille gemacht werden.

Die Patrouille stand unter meiner Führung und war stark: 2 Unffzt., 2 Gruppen Pioniere, 3 Untffz. u. 3 Gruppen Inf.

Wir hatten den Auftrag 3 Posten unschädlich zu machen und das Drahthindernis zu durchschneiden. Wir sollten auf einem Knüppeldamm bis zu einem Hohlweg vorgehen, indem eine frz. Feldwache mit einem MG stand.

Als die Dunkelheit gekommen war krochen wir an die frz. Stellung heran um einen Posten hoch zu nehmen, der da unter einem Busch stehen sollte.  Es war aber nicht da, ein eingesetzter starker Regen hatte ihn vertrieben.

Nun, vielleicht war er beim nächsten Posten, einem Doppelposten, der in einem kleinen Schutzhäuschen stand. Richtig, wir schnappten sie dort alle drei.

Jetzt ging es gegen die Feldwache. Wir fanden den Durchlaß im Draht – und fanden das MG mutterseelenallein. Die Mannschaft hatte sich nicht naßregnen lassen wollen und saß in einem Bunker im Hohlweg.

Wir versuchten sie aus dem Unterstand heraus zu kriegen. Es gelang uns nicht, da sie Handgranaten hatten und uns die Zeit knapp wurde.

Vor den Bunkereingang kam ein Posten und wir räumten das Hindernis weg. Die Inf. hatte noch einen besonderen Auftrag. Sie sollte 200 m weiter rechts in den Graben eindringen und ihn bis zum Hohlweg aufrollen.

Es gelang alles nach Wunsch. Die Inf. stieß wieder zu uns. Wir kamen ohne Verluste zurück und hatten 5 Gefangene und 2 Schnelladegewehre mitgebracht.

Alle 14 Tage wurden wir als Grabenbesetzung abgelöst. Während wir in Reserve lagen, bauten wir Stellungen und Unterstände oder wurden an andere Divisionen verliehen, da die Kämpfe am Chemin des Dames nie zur Ruhe kamen.

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Deutscher Sparkassenverband. Kriegsanleihe Sparkasse. Andreas Jacobsen. Unteroffizier in der Res.Res. Komp. II Pion. Batl. No. 27
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Unffz. d. R. Andreas Jacobsen. Sparkasse Großenwiehe. Provinz Schleswig-Holstein

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Am 19. März 1918 wurden wir herausgezogen um an der großen Schlacht in Frankreich teilzunehmen. Wir marschierten nach La Frère. Dort wurden wir der Feldartillerie Zugeteilt.

Die Artillerie hatte eine volle Geschützbedienung mehr, aber nur 2 Pferde. (Es kamen 8 Mann auf ein Geschütz). Sie hatte den Auftrag mit der Inf. in gleicher Linie mit vorzugehen. (Infanteriegeschütz). Wir Pioniere mußten die Geschütze mit vorwärts helfen.

Heeresbericht 21. März 1918

Südöstlich von Arras bis La Frère greift deutsche Inf. nach starker Feuerwirkung die engl. Stellungen an und erstürmt auf 80 km Breite die ersten feindlichen Linien. Damit hat die große dtsch. Offensive im Westen unter persönlicher Leitung des Kaisers eingesetzt.

  1. Tag: 25000 Gefangene, 400 Geschütze, 300 MG
  2. Tag 5000 Gefangene, 200 Geschütze
  3. Tag                                       363 Geschütze

bis zum 28.3. 9000  Gefangene, 1300 Geschütze , 2  ‘‘

bis zum 1.4. 23 Fesselballon, 340 Flugzeuge

Die Artillerie hatte die Aufgabe feindl. MG Nester und Tanks unter Feuer zu nehmen und zu vernichten. Wir bauten nachts Schnellbrücken, halfen der Inf. beim Vorgehen, machten auch Patrouillen mit, um am Tage wieder mit der Art. vorzugehen.

Gleich am ersten Tage mußten wir über eine 100 m lange Brücke vorgehen. Die hielt der Engländer unter Feuer. Alle Minute kam ein 28 cm herangesaust.

Wir rückten Gruppenweise bis zur Brücke vor. Nach jedem Schuß ging es dann im Laufschritt vorwärts. Als die nächste Granate kam, waren wir heil rüber.

Meine Gruppe kam dann zum Feldart. Rgt. 34. Unser Geschütz bekam den Auftrag ein Engländernest zu beschießen. Dasselbe befand sich an der Straße am Fort Matin.

Es lag in einem Gehöft, das im vorigen Jahr beim Rückzug gesprengt worden war. Die Keller waren aber heilgeblieben. Darin hatte der Engl. Sein MG eingebaut und beschoß die Läufer, die auf der Straße hin und herliefen. Das Geschütz fuhr bis an die gesprengte Fabrik heran in Deckung.

Der Offizier der Artillerie und ich krochen im Chausseegraben bis auf 70 m heran. Von da leitete er das Feuer. Nach 10 Schuß sprangen wir auf und sprangen in die Trümmer des Gehöftes hinein.

Der Engl. hatte die Tür hinter sich zugemacht und sich verkrochen. Wir wollten sie aufbrechen; er schoß aber von der anderen Seite, daß wir es aufgeben mußten.

Da bemerkten wir ein noch rauchendes Ofenrohr, welches aus den Trümmern herausragte. Da packten 2 Handgranaten hinein, die explodierten, als sie unten ankamen. Das war für die Engländer zu viel. Sie ergaben sich. Es waren 6 Mann, davon 3 verwundet.

Wir erbeuteten viele tausend Zigaretten und Fleischbüchsen und andere Sachen die wir sehr gut gebrauchen konnten. Es wurde alles redlich mit der Artillerie geteilt.

Auf dem weiteren Vormarsch hatten wir folgendes Erlebnis. Als wir in einen Ort einmarschieren, sahen wir 4 Lastautos voller französischer Soldaten. Sie fuhren durch die dtsch. Linien und wurden von uns in der Reserve angehalten und wurden entwaffnet. Es waren Rekruten aus Paris. Sie dort am Morgen abgefahren und bei uns am Mittag gefangen.

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Wir blieben der Art. zugeteilt bis wir die alte Stellung erreicht hatten, die wir 1917 aufgegeben hatten. Ursprünglich hätte der Vorstoß über Amiens bis an den engl. Kanal gehen sollen um die engl. Und franz. Front dort auseinander zu schlagen. Es gelang nicht. Unsere Stärke war nicht groß genug. Die Offensive blieb stecken.

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An der Aisne war unser Angriff zum Stehen gekommen. Der Feind hatte alles zerstört.

Unsere Inf. hatte Feldwachen ausgestellt. An beiden Seiten der Aisne waren große Schilffelder, die wohl stellenweise bis hundert Meter breit waren; es war alles Sumpfgebiet.

Am Rande des Schilfes, wo der Böden höher war, hatte die Feldwache eine Hütte gebaut. Der Doppelposten war bis an den Schilf vorgeschoben. Wir hatten den Befehl erhalten diese Feldwache mit Drahthindernissen zu sichern.

Da der Feind das Schilfes wegen bei einem Angriff nicht gesehen werden konnte, sollte die Feldwache sich wenigstens mit dem Drahtschutz besser verteidigen können.

Am Schilffeld war ein Pappelwäldchen. Durch dieses Wäldchen ging ein schmaler Pfad. Neben diesem Wäldchen lag auch die Feldwache, die nun durch uns ihr Drahthindernis erhalten sollte. Wir kamen mit unseren Drahtrollen gerade durch den Wald, als die Feldwache von den Franzosen angegriffen wurde.

Der Doppelposten war gefangengenommen worden und hatte nicht mehr warnen können. Als wir die Franzosen sahen, warfen wir die Drahtrollen und rannten der Feldwache zur Hilfe zu.

Im Nu waren die Franzosen überwältigt. Es waren 10 Mann. Der Untffz. der Feldwache war verwundert. Ein Franzose hatte ihm eine Pistolenkugel durch die Schulter gejagt.

Ich war naß geworden. Ein Franzose, der ausrücken wollte als wir sie überfielen, sprang über einen Graben. Ich sprang ihm nach und packte ihn. Am Grabenrand glitten wir beide aus und fielen ins Wasser. Ich tauchte ihn unter bis er sich abgekühlt hatte. Dann ergab er sich.

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Zeichnung: Steinbruch bei Nampcel

Als die Front erstarrte, lagen wir auch an einer… [her stopper beretningen meget brat! Næste side er blank]

Gefechte

4.8.14-18.8.14 :.Vormarsch auf Toul, Gefecht bei La Garde, Rückzug

9.10.14-20.12.14: Auf den Maashöhen Cambres

21.12.-23.12.14: Pareid, Champagne

24.12.14-30.12.14: Schlacht bei Souain-Perthes les Hurlus, Beausejour, Champagne

21.12.14-7.1.15: Stellungskp. i. d. Champagne

8.1.15-13.1.15: Souain-Parthes les Hurlus, Beausejour

15.2.15-28.2.15: Am Montgnc, zw. Pout a Mousson-St. Mihiel

2.3.15-28.3.15: Cambreshöhe

29.3.15-4.4.15: Maashöhe, Côtes Lorraines

5.4.15-9.4.15: Cambreshöhe

10.4.15-23.4.15: Maashöhen, Grand Tranché

24.4.15-3.5.15: Gefecht bei Les Eparges

4.5.15-18.6.15: Fery, westl. Pout a Mousson

18.6.15-3.7.15: im Priesterwald

4.7.15 + 8.7.15: Angriff im Priesterwald

5.7.15-27.10.16: Stellkp. im Prieserwald

29.10.16-17.1.17: Stellkp. vor Verdun

18.1.17-15.3.17: Stellungskpf. An der Aisne

16.3.17-5.4.17: Kampf an der Aisne

6.4.17-27.5.17: Doppelschlacht Aisne-Champagne

28.5.17-19.6.17: Stellungskpf. Chemin des Dames

20.6.17: Erstürmung der franz. Stellung südöstl. Vauxaillon

21.6.17-23.10.17: Stellungskp. Chemin des Dames

24.10.17-2.11.17: Nachhutkämpfe südlich und an der Ailette

3.11.17-19.3.18: Stellkp. Nördlich der Ailette

Große Schlacht in Frankreich:

21.3.18-22.3.18: Durchbruch St Ruentin-La Frère

23.3.18-24.3.18: Kämpfe beim Übergang über die Somme und dem Kreuzot Kanal zwischen St. Thrist u. Tergnier

25.3.18-31.3.18: Verfolgungskämpfe bis Montdidier-Noyon

1.4.18-3.6.18: Stellkp. Nozon

Verwundungen

18.8.1914: Durchhieb mit der Kreuzhacke l. Hand

15.4.1915: Handgranate am Gesäß, bei d. Truppe

23.7.1915: Minenwerfer Rücken, Laz. Noviant

26.10.1915: Handgranate am l. Knie, b. d. Truppe

3.6.1918: Gasvergiftung, Art. Höhle bei Namcel, Sanitätskp. 222

Beförderungen

28.3.1915: etatsm. Gefreuter

15.4.1915: Unteroffizier

26.2.1918: Sergant

Auszeichnungen

26.1.1915: EK II

5.7.1916: Hamburger Hanseaten Kreuz

23.9.1917: EK I

Verwundeten Abzeichen Silber

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Maschinengewehrunterstände / Maskingeværbunker

Fra: Olof Berg: Klein Wiehe / Lille Vi 1914-1918

2 tanker om “Jacobsen, Andreas Peter (1889-)”

    1. Hej Erik
      Det skyldes, at siden er fra en temmelig enestående samling af soldaterportrætter fra landsbyen Lille Vi / Klein Wiehe i Sydslesvig. De kan jo ikke regnes for at være sønderjyder i vores moderne opfattelse af begrebet. Men samlingen er alligevel helt fantastisk, fordi en mand i 1930’erne systematisk har indsamlet og interviewet alle landsbyens krigsdeltagere og efterladte til faldne krigsdeltagere. Det giver mulighed for at se på én landsbys samlede krigsdeltagelse – hvis man skulle have lyst til det.
      Siden her stiller materiale til rådighed for den almene offentlighed og for forskningen, og det er mit håb, at mange vil benytte den som indgang til historiske undersøgelser. Derfor ligger soldaterportrætterne fra Lille Vi her også – men altså i en anden form.
      mvh
      René

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Sønderjyderne og Den store krig 1914 – 1918