Senest opdateret 21. oktober 2016

Hans Christian Hansen wurde am ——- nach Flensburg eingezogen. Er lag teils in der Infanteriekaserne, teils bei Hansen ”Pott”, in einer kleinen Wirtschaft am Nordertor.
Nach der Ausbildung ging es ins Feld nach dem Westen. Es ging in Flensburg am 1. Oktober 1915 morgens um 04:22 los. Die Reise ging über Hamburg, Osnabrück nach Münster, wo der Transportzug 1 Stunde Aufenthalt hatte. Dann ging es weiter über Crefeld nach Neuss-Kapllan, wo in 1 Stunde Aufenthalt es Verpflegung gab. Weiter über Aachen nach Herbertsthal, wo es am 2.10. 1915 abends 8 Uhr über die Grenze nach Belgien ging. Weiter über Lüttich, Brüssel nach Gent, Brügge. Eintreffen in Brügge am 3. 10. 15 um 8 Uhr 30.
Der Ersatz der Flensburger 86 Füsiliere kann noch nicht eingeteilt werden. Die Adresse lautet:
Füsilier Hans Hansen, Rekruten Depot, 23. Res. Armeecorps, Kompagnie Leonhard in Brügge durch das Marinecorps.
Am 27.10. 1915 ist der Ersatz auf dem Kasernenhof angetreten. Wilde Gerüchte schwirren umher. Morgen soll es sich entscheiden, ob wir zu den 216. kommen – dann sollen wir noch 3 Wochen hier bleiben – oder aber sollen wir nach Serbien. Darüber würde ich mich freuen.
Am 28. 10. entscheidet es sich. Die Flensburger sind keine Füsiliere mehr, sondern einfache Musketiere des Infanteriregiments 216, eines der jungen Regimenter, die aus Kriegsfreiwilligen gebildet am 10. November 1914 “westlich Langemark gegen die ersten Linien der feindlichen Stellungen unter dem Gesange ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ stürmten und sie nahmen”.
Die Adresse: Hans Hansen, 23. Res. Armekorps, 26. Res. Division, Res. Inf. Regt. 216, 1. Batl., 3. Komp.
Wäre der Ersatztransport etwas füher gekommen , so wäre er gleich in den richtigen Schlamassel reingefallen. Am 8. Oktober 1915 hat R.I.R. 216 bei der 6. Armee aushelfen müssen und hat die Stadt Loos gestürmt. Den Sieg hat das Regiment aber mit 20 Offizieren und und 624 Mann Verluste bezahlt. Da sind die 86 eine gute Blutauffrischung.
Die Alten haben viele Läuse, wir aber noch nicht – doch dies Reinlichkeit hat bald ein Ende.
Vorerst geht es in Brügge noch gut. Man kann viel Geld gebrauchen, denn in Belgien – Flandern ist noch viel zu kaufen. Dann und wann ist mal ein Ausmarsch, sonst haben wir wenig Dienst. Wir stehen auch Wache. Ich stehe am 11. vor der Wohnung des Kommandierende Admirals.
Hans Hansen klagt nicht über das Essen, das ist gut, – er ist aber unzufrieden mit der Post. Er bekommt seine Post nicht – die erhält wohl ein anderer, denn Hans Hansen`s gibt es in der Kompagnie mehrere. Mit der Post wird es erst besser als alle Hans Hansen eine Nummer kriegen. Die Adresse lautet nun Hans Hansen IV.
Den 10.11. 1915 geht es erstmalig in Stellung. Es ist die Reserve Stellung. Die Anmarschzeit hatte ein wenig aufs Herz gedrückt. In der Nacht ging es um 3½ von Brügge weg. Der Kanonendonner, zuerst nur ganz schwach, wurde immer lauter, feindliche Flieger flogen ganz tief übder die deutschen Stellungen hin. Das Artillerifeuer, es ist fernfeuer, geht über die Reservestellung weg.
So lässt der Druck schon nach, langsam gewöhnt sich der Neue an den Krieg – und so heisst es schon im nächsten Brief: Die Reservestellung gefällt mir gut ; ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.
Aber dann kommt der Regen: ”Das ist eine Schweinerei.” In den Gräben steht das tiefe Wasser. Die Wände sanken ein, die Unterstände sind feucht. In der einen Nacht geht es in die vorderste Stellung zum Schanzen, die Hauptarbeit des Flandern-Soldaten von 1916.
Nach 3 Tagen gehts in die erste Linie . Der Törn ist:
3 Tage vorderste Stellung;
3 Tage Reserve Stellung
6 Tage Ruhe.
Die Stellung liegt bei Het Sas, zwischen Stennstraat und Bonsin, vorm Honthulster Wald und Bixschooten am Yserkanal. Die Stellung ist im fetten Lehmboden eingeschnitten, bei dem Regenwetter also eine Schmiere.
Am 15. 11. 1915 gehts nach Staden in Ruhe. Als die Einsatzzeit da ist, gehts nach vorn in die Baracken von Melane, am westl. Eingang zum Houthülster Wald gelegen. Jeder kann nicht vorne in den Gräben liegen, da diese zu dicht besetzt werden.
Es ist ständing halber Alarm. Jede Nacht gehts zum Schanzen nach vorne. Die Nächte werden schon kalt – es wird Unterzeug ausgeliefert. “Ich bin schon ½ Jahr Soldat und habe genug vom Krieg – aber immer mit frohem Mut weiter. Wir haben noch keine Verluste gehabt, denn man kann sich vor vieles vorsehen. (langsam fliegende Minen) Der Friede wäre das beste Weihnachtsgeschenk. Hoffentlich kommt er bald, das ist das einzige Gebet, das täglich an Gott gerichtet wird.
Vom 25.11. 1915 – 11.12. 1915 ist Ruhe in Thouvout. Da gibts genug Fleisch und Speck. Jeden Tag wird im Gehölz gearbeitet, geflochtene Wände für die Lehmgräben gemacht. Aber zu viel Arbeit ist es nicht, ich schreibe jeden Tag, hab ja Zeit genug.
Es wird gut für die 216er gesorgt. Der Battalions-Kommandör hat eine Rede gehalten. Der kompagnieführer soll dafür sorgen, dass die Leute genug zu essen haben.
Am 11.12. 1915 gehts in Stellung. Am 14.12. 1915 Zurück in die Reservestellung, von wo es jede Nacht zum Schanzen in die vorderste Linie geht.
In einer Nacht sah uns der Franzmann. Er schoss auf uns, aber in der Nacht schiessen sie alle zu hoch und treffen doch nichts.
Am 12. hat die Kompagnie den ersten Verlust, und am 22.12. 1915 fällt der zweite Kamerad. W. Schlüter.
In Aachen wird Weihnachten gefeiert.
Am 26.12. 1915 werden die 216er verladen und fahren über Brügge nach Steinbrügge, von wo nach Oostkamp marschiert wird.
Ruhe. Hans Hansen Schreibt: Jürgen Jepsen ist hier ganz in der Nähe. (Er lag bei Locumen).
Am 13.1. 1916 ging es wieder nach vore nach Staden, dann am 18.1. 1916 in die Res. Stellung, von wo aus 6 Nächte lang geschanzt wird.
Am 24.1. 1916 gehts in die vorderste Linie. Da wird Kaisers Geburtstag am 27.1. 1916 besonders gefeiert. Wir haben lebhaftes Minenfeuer. Georg Kirchhoff aus Schobüllhus ist bei den 213‘ern. Unsere Stellung ist sonst fein. Wir haben einen ganz sicheren Unterstand. An der Schleuse ist ein Tunnel, wenn geschossen wird laufen wir da rein. Der Kanal lag tiefer als das umliegende Land.
Das kleine Bächlein, das Yperle ( kaum einen chritt breit) ging in einem Tunnel über den Yserkanal (bei der Schleuse) weg. Durch das Artilleriefeuer waren die Deiche zerstört, und das Yperle-Bächlein hatte längste seinen Weg in den Kanal gefunden.
Hier in der Nähe sind jetzt viele Bekannte, (fast die ganze Kleinwieher Umgebung): Jürgen Jepsen, Carl Jensen und Thomas Hansen aus Meynfeld und Georg Kirchhof aus Schobüllhuus.
Der Winter lässt sich garnicht merken, wir haben immer gelindes Wetter. Die Verpflegung ist gut.
Schon im Januar munkelte man, dass das Regiment weg soll. Einmal heisst es: Ich bin lieber in Staden als in Brügge, denn in Brügge ist man Armeereserve und es heisst bei Arras soll es losgehen.
Der Winter hat Hans Hansen doch stark mitgenommen. Das Gefängnis der engen Grabenwände hat ihn unzufrieden gemacht. Es geschieht auch eigentlich nichts, was nicht im strengen Törn liegt.
Am Kanal ist seit dem Gasangriff am 22.4. 1915 bei het Sao nichts geschehen und die “Langeweile” macht ihn missmutig. „Wir sind in Thourouth. Die Verpflegung wird knapper. Bei Verdun geht es fix vorwärts. Vielleicht sollen wir helfen, dass der Mist zu Ende geht, es hat lange genug gedauert.“
Die Abwechselung für die 216er ist schon unterwegs, und vielleicht Abwechslungsreicher, als die Soldaten es sich wünschen.
Am 16.3. 1916 heisst es vom alten Stellungsabschnitt Abschied nehmen. Es geht über die belgische Grenze nach Bousbeqe an der Lys. Nach einem Tag gehts nach Werwik, von da in die Reservestellung.
Die Stellung ist die Anhöhe, wo ehemals das Dorf St. Eloi lag. Vorne liegen die 18‘er Jäger und das II und das III Battalion der 216er. Der 27.3. 1916 bricht als gewöhnlicher Tag im Jahr an und wird ein Tag, an dem viele Mütter in Norddeutschland weinen werden.
Um 6 Uhr morgens fängt die Luft an zu grollen und zu beben. Vier riesengrosse Wolken erheben sich über der Stellung. Ein furchtbares Krachen. Der Engländer hat mit 4 riesengrossen Sprengungen die deutsche Stellung und damit die deutschen Batallione in die Luft gejagt. Die Angreiferwellen stossen durch das Loch in der Front durch und gelangen bis in dei Artilleriestellungen.
Am Abend greifen Freiwillige des 3. Battl. 216 an “wir schwärmen in die vorderste Linie ein” und nehmen den Engländern die Trichter ab. Ihre Angriffswut trägt sie aber so schnell vor, dass sie im Trichter von den Engländern eingeschlossen werden. Sie liegen noch den ganzen 28ten März ohne Verbindung mit Hinten vorne in vier riesengrossen Sprengtrichtern.
Was hat die Engländer zu dieser Sprengung bewogen? Die Minierarbeiten sind wohl schon im ganzen Winter getrieben worden. Die Anlagen sind zu riesig gewesen, als dass sie in kurzer Zeit vollendet sein könnten. Aber die Bundesgenossen der Engländer, die Franzosen waren bei Verdun zu sehr in die Kneife geraten. Am 23. 2. 1916 war der deutsche Sturm über sie weggegangen; am 26.2. 1916 war die Festung Douamont erobert, am 15.3. 1916 fiel der Tote Mann in deutsche Hände. Der Druck der deutschen machte sich auf das Fort Vaux und auf die Höhe 304 bemerkbar, da wollten die Engländer helfen; sie wollten deutsche Truppen fesseln, damit sie nicht gegen Verdun eingesetzt werden konnten. Eine Kanadische Division, Kriegsfreiwillige Studenten wie die deutschen 1914 bei Langemarck, wollten den Stoss tun. Der Anfangserfolg bei St.Eloi war auch da.
Heeresbericht 27.3. 1916: Südlich Ypern bei Sct. Eloi sprengen die Engländer unter der deutschen Front einen Minengang und setzen sich dann in den Besitz der Trichter. Die Abgeschnittenen Freiwilligen vom I. Batl. 216 werden am 29.3. 1916 durch einen Sturm der beiden anderen Divisons Regimenter herausgeholt. R.I.R 215 übernimmt die Stellung und die Reste von 216 kommen nach hinten in die Reservestellung.
Am 3.4. 1916 greift der Engländer abermals an. Hans Hansen schreibt: ”Das ist eine Miststellung. Dauernd ist es hier im gange. Heute Morgen sind wir halbwegs nach vorne gewesen. Der Engländer hat angegriffen, ist aber glatt abgeschlagen worden. Unsere Artilleri hat gut bewahrt. Wir vom ersten Battallion haben immer Glück.
Sein Tagebuch aber sagt anderes. Der Engländer war doch wieder in die Trichter reingekommen.
Am 6.4. 1916 ist Generaltsturm. Vorher zerhämmert die deutsche Artilleri, 100 Geschütze auf 1000 m, die englische Trichterbesatzng. “Am 5.4. abends nach vorne, am 6.4. die Trichter gestürmt, am 7.4. zurück nach Werwick. Das redet vom abgekämpftsein der 216er eine deutliche Sprache.
Die Heeresberichte melden: 30.3. 1916 kommt ein Teil der von den Engländern genommenen Stellung bei St. Eloi wieder in in deutschen Besitz.
6.4. 1916 wird die von den Engländern die am 27. 3. genommene Stellung bei Sct. Eloi von den deutschen nach starker Artillerievorbereitung wieder genommen.
14.4. 1916 werden abermals starke Handgranatenangriffe der Kanadier bei St Eloi abgewiesen.
19.4. 1916 bei St. Eloi versuchen die Kanadier sich mit Sappen an die Trichterstellung heranzuarbeiten.
Ihre Gräben werden aber zusammengegeschossen. Die Trichtersstellung bleibt in deutschem Besitz.
Langsam beruhigt sich wieder die Front, und normales Grabenleben entwickelt sich.
Wir besitzen von Hans Hansen noch eine Beobachtungstafel, wohl von der Beobachtung gegenüber Blaupunkt 55 (ein Einschiesspunkt) beobachtet: ”Um 8 Uhr gingen 8 Mann, einer mit einem Sandsack auf dem Rücken in den 1. Graben zurück: anscheinend Arbeitsdienst. Um 9 Uhr machten 2 Mann bei Blaupunkt 55 Schanzarbeit. Um 10 Uhr machten 3 Mann die Sache weiter. Um 11:30 die Postenablösung. Sonst nur einzelne Bewegung der Posten. Um 01 Uhr einige leichte Kaliber auf den Clausweg, auch um 1:30.
Es läuft jetzt der Grabenkkrieg seinen gewohnten Gang weiter. Im Trichter wird Hans Hansen krank und kommt auf 4 Wochen zur Sanitätskompagnie 123 um dann vom 29.6. 1916 bis zum 28.7. 1916 auf Urlaub – es ist der erste – zu fahren.
Dann geht die alte Tour wieder los. Das Regiment pendelt zwischen Courtrai, Warwick, Houthem und der Trichterstellung.
Am 5.9. 1916 wird plötzlich das Regiment verladen und ist am 6.9. Mittags in Ham. Am 7. Marsch nach Nesle. Da wird das Regiment alamiert. Der Alarm wird wieder aufgehoben. Am 12.9. 1916 gehts nach vorne in Bereitschaft, von wo aus jede Nacht geschanzt wird. Am 17. gehts zur Verstärkung nach vorne.
Was ist geschehen? Zur Entlastung von Verdun hatten die Engländer und Franzosen nördlich und südlich der Somme angegriffen, nacheinander, 53 englische und 51 französiche Divisionen.
Ein bisher noch nicht dagewesenes Trommelfeuer von 6 Tagen hatte die Kämpfe eingeleitet. Die Erfolge der Feinde waren denkbar gering. Die Angriffsziele der Franzosen und Engländer wurden nicht erreicht; Bapaume und Peronne blieben in deutscher Hand und Cambrai blieb in weiter Ferne. Nach eigenen Angaben verloren die Gegner 750.000 Mann. 750.000 Mann opferten sie, um ein Stück Land , 15 km breit, zu erobern.
Und wir deutsche? 80.000 Gefangene und 350 Geschütze verloren wir im Sommegebiet, das von 30 Millionen Granaten und Minen umgewühlt und zur Wüstenei gemacht worden war. Und in diesem Leichenfeld begruben wir im Kampf gegen 3 bis 10facher Übermacht die Blüte und den Nachwuchs des in zweijährigem Kriege geschulten Heeres.
Heeresbericht 17.9. 1916 Der Franzose setzt sich in den noch nicht genommenen Teilen von Vexmandoville fest.
Bis zum 19.9. 1916 mittags 12 Uhr liegen die 216er in der Flankemstellung im Kabelweg. Sie werden abgelöst – und abends wird Hans Hansen verwundet, Hand und Schulter, aber nicht schlimm.
Es geht zurück nach Potte, von da nach Ham, dann St. Quentin und dann ins Lazarett in Fresnaix la Grand. ( 22.9. – 17.10. 1916) Sammelort für Leichtverwundete Fresnaix la Grande Feldpost Station 34, Etappe Inspektion 2. Westen.
Die Wunde ist schnell geheilt und am 19.10. 1916 gehts zur Kompagnie nach Braix St. Christoph zurück.
Dann gehts wieder an die Front. Hier hat es sich nach den schweren Kämpfen der 26. Res. Division um Alleincourt, um den Ambos und Presseinwald etwas beruhigt . 216 liegt in Priesterwald.
Am 27.10. 1916 gehts nach Happecourt zurück und am 29.10. 1916 werden die Truppen in St. Quentin verladen.
Es geht in ein ganz ruhiges Frontstück vor Reims. Rechts und links von Reims bei Brimont nördlich und bei Beime südlich, da ist Krieg, aber grade vor bei Cernay ist tiefster Friede. Der Franzose will wohl seine Stadt Reims mit der wunderschönen Kathedrale schonen, macht er sich mausig, so fliegen deutsche Granaten in die alte Krönungsstadt der alten Frankenkönige.
In Bazancourt wird das Regiment ausgeladen und marschiert nach Berry. Dann gehts direkt vor Reims bei Cernay in Stellung. Die Ruhelager sind im Leipzigerlager. Die Reservestellung in der Wolfsschlucht.
Bis zum 23.12. 1916 kann sich die Division in dieser ruhigen der ruhigsten Stellungen ausruhen.
Scheinbar ist das Regiment doch noch nicht wieder so festgefügt, wie es der Einsatz an der Westfront erfordert. Es wird am 23. 12. In Bazancourt verladen und fährt nach Autrecourt. Am 28.12.1916 geht es mit der Bahn weiter nach Paarburg in Lothringen, von wo nach Albersweiler marschiert wird.
Unterwegs schreibt Hans Hansen einen Brief: “Am 23. fuhren wir oben weg. Weihnachten war in einer Weise auf der Bahn ganz nett, denn wir haben vom Feind Ruhe gehabt. Aber Post konnten wir nicht bekommen und wie es mit der Verpflegung ist, damit wisst ihr ja Bescheid. Wir haben so gut wie trocken Brot gehabt, aber das ist nicht das Schlimmste was es gibt. Weil wir so schnell weg kamen, haben wir gemeint, wir sollen bei Verdun was machen. Man muss zufrieden sein wie es kommt. Wie ist es früher zu Hause schön gewesen. Aber da war man auch nie zufrieden. Jetzt gibt es kein Haus wo nicht einer draussen ist und viele, wo der Krieg sein Opfer gefunden hat.
Am 1.1. 1917 schreibt er: ”Heute haben wir bei einem Pastor aus dem Regiment Gottesdienst gehabt. Er sagte: Wir gehen in das Jahr 1917 hinein und keiner weiss ob es nicht schlechter wird. Wir haben 1916 viele schwere Tage gehabt, aber auch leichte und schöne.” Ich habe immer Glück gehabt. Hoffentlich ist der Krieg im nächsten Jahr vergessen. Was haben wir 1914 geglaubt? Der Krieg wäre bald zu Ende. Es ist Gottes Wille. Er ist der Allmächtige und was er haben will, das muss doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. Wir liegen ganz hinten, wo darf ich nicht sagen. Heute hat mich Johannes Carstensen besucht; die haben so schlechte Quartiere.
Hier in Alberschweiler wird Hans Hansen am schweren Maschinegewehr. S.M.G. ausgebildet.
Der Winter 1916 auf 1917 ist der schwerste, den das deutsche Volk erleidet. In der Heimat haben sie den Steckrübenwinter. Und der Missmut macht sich auch an der Front bemerkbar.
Die Verpflegung ist man so; wenn ich nichts von Haus aus bekäme, so wäre es schlecht. Wie ist es des Urlaubs wegen mit dem Sperrgebiet? ( Die Einwohner nördlich von Flensburg (Bahnstrecke für Kleinwiehe über Wallsbüll) bekamen schlecht und schwer Urlaub. Überläuferangst). Beförderung ist für mich egal. Ich verzichte gern auf Orden und Ehrenzeichen. Mein Leben ist mir lieber als das; wenn ich nur heil nach Hause komme.
Das Verhältnis zur Etappe, die die 216 in Oberschweiler ja gut studieren können, klingt auch In einem Gedicht, das damals im Westen die Runde Machte.
Ordensverleihung
Da hört man oft mit dem Anflug der Klage
die höchst erstaunte verwunderte Frage:
Warum an der Front so wenig Orden
wohl hier im Durchschnitt verliehen worden?
Ihr lieben Leut, das muss ich euch sagen,
so können nur wirklich solche fragen,
die damit die besten Reverse gaben,
das sie keine Ahnung vom Kriege haben.
Zu was brauchen sie an der Front einen Orden,
die beinahe nur täglich kämpfen und morden?
Sie sind nur mit Kameraden vereint
und sehen niemand ausser den Feind.
Sie können doch täglich, ja stündlich fallen.
Zu was brauchen die noch Ordensschnallen.
Am Feind, da braucht man nur zielbewusst
eine tapfere unauffällige Brust.
Die bunten Bänder und Ordenstand
werden viel zu leicht vom Feind erkannt.
Ganz anders ist es bei den Etappen und Stäben,
die hinten die grössten Schlachten erleben.
Da zeigt man sich dem ergrimmten Volke
als leuchtender Stern aus der dunklen Wolke.
Da kann man sich frei und sicher bewegen,
braucht nicht immer Sorge um die Deckung zu hegen.
Da muss man sich können sehen lassen
auf dicht bevölkerten Plätzen und Gassen;
da bedarf er schön bunt verziert
eine Heldenbrust dekoriert.
Zu Orden gehört, dass bedenke man auch,
eine volle Brust und ein dicker Bauch.
Das beides hat man dort unvergleichlich,
nur da, wo Ruh und Verpflegung reichlich,
vereint noch mit möglichsten Sicherheiten
und sonstigen kleinen Bequemlichkeiten.
Dort, wo man auch niemals zu wachen bedarf;
daher auch an Orden den reichlichen Bedarf.
Wenn ich mal später einen sehe
mit leerem Knopfloch in meiner Nähe,
dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr vorhanden,
der hat immer dicht am Feinde gestanden.
Doch wenn erst einer käme
bei dem es die halbe Brust einnähme
dann denke ich: Der hat es gut gekonnt,
der war sicher dicht hinter der Front.
Treffe ich aber einen, der hat wie toll
die ganze Brust und den Bauch auch voll,
dann ist mir unfehlbar klar,
dass dieser im Kriege ganz hinten war.
Moral: Von vorne kommt der Kugelregen,
von hinten kommt der Ordenssegen.
Von wem das Gedicht stammt ist unbekannt. Er wird wohl irgendwo als Musketier gefallen sein.
Hans Hansen hat es in seinem Notizbuch aufgeschrieben.
Am 29. 1. 1917 morgens 4 Uhr wird das Regiment verladen und fährt nach Chauny. Die Stellung liegt links vom Moulin sons Touvent bei Autreches.
Dort finden sich im Kalkboden zahlreiche Höhlen. Die vorderste Stellung geht bei der Scheinwecher Höhle vorbei. Mancher dieser Höhlen fassten mehrere tausend Mann. (Zur Illustration füge ich eine Zeichnung einer Höhle bei, die mir unbekannt ist. Berg). Ein Bewohner schreibt: “Nur wenige Wohnräume, die am Eingang liegen haben Tageslicht, während im übrigen Elektrizität, Karbid und Kerzenlicht zur Beleuchtung dient. Die Temperatur ist warm, die Luft feucht, im Winter eine hässliche Sache. Zur Verbesserung der Luft tragen durch das Gestein gebohrte Schächte bei, doch wirkt ein längerer Aufenthalt in der Höhle niederdrückend auf das allgemeine Befinden. Man könnte an die frische Luft gehen, aber der Feind beharkt die Eingänge mit Feuerüberfällen. Die ”Wohnstuben” und die breiten Gänge haben Bettgestelle mit Maschedrahtüberspannung. Schlimm ist im Winter die Heizung, da sind die Gänge voll Qualm.
Hier besucht Hans Hansen Johannes Carstensen in der Höhle.
In der Zeit vom 22. 2. 17 bis 12. 3. 17 bauen die 216er bei Blerancourt Stellungen für den Rückzug, für die Abweichbewegung.
Der Feind hatte neue Angriffspläne. Unsere Front war aber durch die Sommeschlacht zu einer Schlangenlinie geworden, die dem Feind gute Angriffspunkte bot. Auch war sie zu lang, da liess Hindenburg in der Linie Cambrai – St. Quentin – Laon durch Arbeitsbattallione und Gefangene eine neue riesige Verteidigungslinie = die Hindenburg oder Siegfriedstellung auswerfen. Das dazwischen liegende Land wurde planmässig zerstört = Alberich Bewegung. Die Angriffsvorbereitungen der Feinde waren nun umsonst getroffen. Die Zwischenstellungen hielten den nur zaghafr nachdrängenden Feind so lange auf, dass er die Hindenburglinie erst an einigen Stellen nach 14 Tagen erreichte.
Am 13.3. 1917 Alarm! Es wird in die Stellung bei Autrichet gerückt. Am 17. abends wird die Stellung geräumt. R.I.R. 216 marschiert über St. Aubin, Trosley Loire nach Folembray. Am nächsten Abend geht es weiter nach Septvaux. Die Reservestellung bestzen die 216er. Am 25. Morgens 2 Uhr Alarm! Der Feind ist schon da. Die 216er rücken auf Folembray zu vor und halten den angreifenden Franzosen im Walde zwischen Folembray und dem Oise- Aisne Kanal auf. Um 3 Uhr am Nachmittag treten sie ins Gefecht. Und da der Angriff die beste Verteidgung ist, greifen die 216er an und werfen den Franzosen durch den Wald gegen den Kanal. Inzwischen ist die Verteidigung der Siegfriestellung jetzt zu ende organisiert.
Um 9 Uhr am Abends wird das Gefecht abgebrochen und die Truppe geht als Feldwache in die Buin Ferme zurück. Die Stellung wird auch planmässig geräumt und die 3. Kompagnie übernimmt um 11:30 Uhr abends die Nachhut bis in die Siegfriedstellung.
Am 27.3. 1917 wird Hans Hansen Verbindungs-Ordonnanz von der Le Croitoir Ferme bis zur Stellung. Diesen Läuferposten behält er bis zum 1. 4. Wo er zur Kompagnie zurückkehrt und wieder auf Feldwache kommt.
Am 6.4. 1917 meldet er sich mit Fieber krank und kommt ins Königl. Preussische Res. Feldlazarett No. 78, deutsche Feldpost 846 nach Fourdrain, Strasse La Fère-Laon; am 14.4. 1917 nach Chambry bei Laon. Er schreibt: „Man wird fast gesund, ehe man ins richtige Lazarett kommt”.
Am 15.4. 1917 geht es ins Kriegslazarett Hirson, deutsche Feldpost 79. Das ist eine schlechte Stelle, denn da gibt es nichts zu essen. Ich habe schön gehungert.
Am 21.4. 1917 gehts zur Kompagnie in die Stellung von Fresnes. Einmal, am 3.5. 1917 geht der Stosstrupp, zudem Hans Hansen gehört, bei der 1. Kompagnie in Septvaux vor.
Die Stellung ist schön. Das Gebäude ist bis jetzt ja noch ganz unzerstört. “Unsere Stellung liegt ganz im Walde. Heller Sonnenschein ist es und schön warm. Die Bäume stehen in Blüte und jungem Grün, dass es eine Pracht ist.“
Das Fieber meldete sich wieder. Er kommt ins Lazarett 78 in Assis. 9.5. 1917. Am 5.6. 1917 geht’s zur Kompagnie zurück. Im Lazarett wurde Hans Hansen von Bräuninger aus Flensburg, dessen Bruder in der 3. Kompagnie, IR216, gefallen war, besucht.
Über St. Gobain gehts nach Bügnydann am 7.6. 1917 Verladen In St. Germain nach Laon.
In Laon liegen die Soldaten bis zum 10.6. 1917. Und dann gehts am11.6. in Stellung am Tunnel desOise – Aisne – Marne Kanals, der da den Kanal durch den Damenweg – Chemin des Dames hindurchführt.
Am 21.6. 1917 wird Hans Hansen zur Schreibstube und Poesles zurückgeholt, von wo er am 26.6. 1917 in Urlaub fährt. Am 13.7. 1917 kommt er zurück und geht am 15.7. 1917 als Trägertrupp bei Cerny in Laonais in Stellung. (Der Tägertrupp versorgt die Kampflinie mit Munition, Essen, Baumaterial. Der Anmarsch konnte nur bei Nacht erfolgen und gewöhnlich lagen die Anmarschstrassen in feindlichem Feuer. Am Tage hatte der Trägertrupp frei, aber in der Nacht doppelte Arbeit und Gefahren.
Am 20.7. 1917 marschiert das Regiment nach dem Verladebahnhof, fährt nach Veroins und marschiert nach Gercy in Ruhequartiere.
Am 27.7. 1917wird das Regiment wieder in Veroin verladen und fährt nach La Ferté, südlich von Carignan, wo es bis zum 13. 8. 17 in Ruhe bleibt.
Am 14.8. 1917 gehts nach vorn nach Damvillers gegen Verdun.
Ganz überrraschend greift der Franzose in den Monaten August–September 1917 wieder bei Verdun an. War auch der August hauptsächlich auf dem westliche Maasufer beim “Toten Mann” so merkte man die erneute Kampftätigkeit der Franzosen auch am östlichen Maasufer, wo nun die 216er eingesetzt wurden.
Am 15.8. 1917 gings in die Bereitschaftstellung, ins Kaiserlager. Am 20.8. 1917 gings etwas weiter nach vorne; am 22.8. 1917 nachts als Reserve in den Kasernenstollen, am 23.8. 1917 morgens in die erste Linie in der Jägerschlucht, aber nördlich von Ornes.
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Am 26.8. 1917 werden die 216er in der ersten Stellung abgelöst. Kommen in den Kasernenstollen bis Mittag und dann in das Barackenlager.
Diese erste Stellung hatte für Hans Hansen wieder Pech bedeutet. Ein Beschuss mit Gasgranaten war zu überraschend gekommen, so dass er ein wenig Gas schluckte und gaskrank wurde. Bei diesem Überfall hatte der Franzmann sich gleich einige Gefangene geholt. “Wir sahen sie noch. Sie winkten, als sie abgeführt wurden.” “In der Ferne sah man Douaumont liegen.
Die Gasvergiftung zeigte ihre Erscheinungen. Es ging in die Sammelstelle in Damvillers und am gleichen Tage weiter nach Montmedy. Am 28. 8. In das Etappenlazarett Virtou und am 1. 9. 17 mit dem Leichtkrankenzug nach Nouzon an der Maas.
”Hier im Lazarett ist es schön, beinahe heimatlich. Auf jedem Falle ist es besser als vorne liegen. Man kann ordentlich sich ausruhen und kommt zu sich selber. Ich will beim Artzt doch versuchen Urlaub zu bekommen. Es war eine schlimme Zeit vorne für uns. An Vaters Geburtstag ( 25. 8.) hatten wir das schwerste Feuer. Die Verluste waren schwer und die Leute wurden knapp.
“Wie ist es eigentlich mit Kiel?” (Sein Onkel, Ferdinand Hansen, Grossenwiehe arbeitete in Kiel als Reklamiester (?) auf der Werft. Er versuchte seinen Neffen Hans auch dahin zu kriegen; es zerschlug sich aber).
Auf dem Postsstempel des Lazarettes Noucon steht: Sendet keine Lebensmittel her, weil sie in der Heimat nötiger sind.
Am 9.9. 1917 Schreibt Hans Hansen: ” Ich habe Erinnerungen an den 9.9. 1916 an der Somme. Da war es abends anders, weil wir erstmalig in eine grosse Offensive (der Franzosen) kamen; man machte sich viele Sorgen damals; als wir hinkamen, war es halb so schlimm.
Aber wenn man über die vergangene Zeit nachdenkt, so muss man sich immer wieder sagen: Es ist nur mit Glück und Gottes Hilfe gutgegangen.“
”Es sind schon schwere Zeiten gewesen, aber auch, wo wir es schön hatten; allerdings was man hier schön nennt. In la Ferti hatten wir viel exerzieren – und davon hat man wirklich genug. Hier im Laz. habe ich mich richtig ausgeruht. Mit der Gasvergiftung ist es eine gefährliche Sache, denn die Lunge kann so sehr angegriffen werden. Ich kann auch nur sagen, macht euch keine Sorgen weil ich euch alles schreibe, bei mir ist nun garnichts passiert und habe nur wenig weggekriegt.”
Am 11.9. 1917 wird er entlassen nach Charleville.
Am 14.9. 1917 zur Kompagnie nach Marles bei Remagen, am 19.9. nach Billy, am 26. nach Mangiennes, am 30. am Morgen in die Reservestellung. Dann gings 3 Tage in die erste Linie und am 6. 10. zurück nach Pillou.
Von Pillou aus fuhr Hans Hansen in seinen letzten Urlaub. Als er Abschied nehmen musste fuhr sein Vater mit nach Flensburg und Hans Hansen liess sich nochmals fotografieren. Und diese Bilder bewegen sein ganzes Denken – ob sie noch nicht gekommen sind?”
Am 20.10. 1917 trifft er wieder bei der Kompagnie ein.
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”Bin zur Komp. gut hingekommen. Mit dem Zug hatte ich ein wenig Pech, da ich in Trier einige Stunden warten musste. Es ist nicht aufgefallen, dass ich einige Stunden zu spät kam. Es hat mir in der Heimat gut gefallen.
“Es war doch schön in der lieben Heimat. Ich sage noch meinen besten Dank für alles Gute, was ich dort bei euch gehabt habe.”
Am 26.10. 1917 gehts in Stellung. Hans Hansen kommt von der 3. Kompagnie weg und tritt in die 1.Maschinengewehrkompagnie.
Am 2. 11. 1917 “Wir sind abgelöst. Vorne war es nicht schön, aber man kennt den Rummel so bei kleinem. Es ist nur so merkwürdig, weil ich eben vom Urlaub kam.”
5.11. 1917. ”Es geht wieder nach vorne”. Dieser letzte ausführliche Brief ist das Todesahnen von Hans Hansen. Er ahnt und weiss, dass er fallen wird, und immer treibt es ihn zu schreiben:”Macht euch keine Sorgen.”
”Es geht in den ersten Tagen wieder nach vorne. Wir haben hier ja keine leichte Zeit, aber man hat schon so lange Zeit mitgemacht, es wird mit Gottes Hilfe auch gut weiter gehen. Es ist zwar kein Spass wieder reinzugehen, aber ihr sollt euch nur keine Sorgen machen. Ihr werdet denn wohl ein paar Tage keine Post kriegen ihr sollt euch trotzdem keine Sorgen machen; es wird schon mit Gottes Hilfe wieder gut gehen. Das einzige was ihr für mich tun könnt und was mich erretten soll. Es ist ja nicht das erste mal, dass man wieder reingeht. Sonst macht euch nur keine Sorgen; es wird schon gut gehen.
Am 8.11. 1917 schickt er noch ein kleines Päckchen mit Tabak und Zucker.
Am 9.11. 1917 fiel Hans Hansen bei einem Sturmangriff im Chaumewald an der Ornebschlucht.
Im Felde 12. 11. 1917
Sehr geehrter Herr Hansen!
Es ist mir eine schmerzliche Pflicht, die traurige Nachricht übermitteln zu müssen, dass ihr tapferer Sohn den Tod für das Vaterland erlitten hat. Wir betrauern in ihm einen lieben, anhänglichen Kameraden; er war einer meiner zuverlässigsten MG Führer; sein Verlust tut mir um so mehr leid, als ich ihn in der nächsten Zeit zum Unteroffizier zu befördern hoffte.
Eine grössere Kampfhandlung machte den Einsatz von einigen MG am 9. 11. notwendig; während ihr Sohn seinem Gewehr voranlief, um die neue Stellung zu erkunden, erlitt er durch eine neben ihm einschlagende Granate den Heldentod.
Die unbeschädigten Nachlasssachen werden Ihnen zugehen.
Seien sie meines innigsten Beileids sicher.
Ihr
Gez. CL. Ochsen, Ltn. U. Kompf.
In Reserve vor Verdun 12.11. 1917
Werte Familie Hansen!
Von der MG16 haben sie gewiss schon über das traurige Schicksal ihres Sohnes Hans Hansen Nachricht bekommen. Er war und bleibt mir stets ein unvergesslicher Kamerad. In seinem Auftrage sende ich ihnen hiermit von Ihm den letzten Gruss. Mit hohem Mut und kräftigem Händedruck von mir verabschiedete er sich am Abend des 8ten , um am Morgen des 9ten Nov. Am Sturm des 1. Batl. Im Chaumewald teilzunehmen. (Wir Minenwerfer brauchten nicht mit).
Leider erfahre ich gestern von Kameraden, dass Hans in der feindlichen Stellung durch Granatsplitter am Kopf gefallen ist. Es war ihm nicht vergönnt seine Lieben in der Heimat wiederzusehen.
In der nächsten Zeit hätte er die wohlverdiente Beförderung zum Unteroffizier erhalten. Ob es möglich war Hans aus der vordersten Linie zurückzuschaffen, weiss ich noch nicht.
Wenn ja, so werde ich mich bemühen seine Grabstätte zu erfahren und wenn möglich abnehmen zu lassen.
Dem Wunsche Ihres Sohnes nachkommend grüsse ich Sie herzlichst als ihr
Willy Johannsen.
Der Kamerad H. Wagner schreibt:
„Da ich Hans als meinen besten Kameraden betrachtet habe. Über 2 Jahre haben wir zusammen wie ein Paar Brüder gelebt – und jetzt hat uns der schreckliche Krieg auseinander gerissen.“
Der Vetter Hans M. Petersen schreibt:
„Es ist garnicht lange her, da schrieb er mir noch. Aus seinem Schreiben konnte ich merken, wie
schwer ihm das schwere Kriegsleben fiel; nun ist er erlöst von dieser schweren Zeit.
Sein Unteroffizier Schulze schreibt:
Ich kann Ihnen zu ihrer Beruhigung mitteilen, dass ihr Herr Sohn einen sehr schnellen und schmerzlosen Tod durch Granatvolltreffer gehabt hat. Das Ganze war ein Augenblick. Wir sprachen noch zusammen, da kam die Granate – und ihr Sohn sprach nicht mehr weiter.
Ich habe mich sofort überzeugt, ob ich helfen könnte; aber da war es schon vorbei. Die Leiche konnte leider nicht geborgen werden, da ein furchtbares Feuer auf der Stellung lag.
Der Kompagnieführer schreibt am 12. 2. 18
Wir erhielten heute die Nachricht von uns ablösenden Truppenteilen, dass die Leiche ihres tapferen Sohnes gefunden und bestattet wurde. Zu einer Überführung möchte ich nicht raten.
So fiel Hans Hansen; ein Mann voll Glaube an Gott und seine unerforschlichen Fügungen, ein Bauer, der in jedem Brief sich um alle seinen väterlichen Hof angehende bäuerliche Dinge befragte, ein Soldat mit allen Schattenseiten aber voll Mut, und ein Kamerad der von allen geliebt wurde.
Auf einem Zettel schrieb sein Vater den er in das Taschenbuch seeines Sohnes legte:
Wer den Tod im heiligen Kampfe fand
ruht fern in fremder Erde,
ruht auch im Vaterland.
Eingezogen 1915: nach Flensburg zu den 86’er Füselieren.
- 10. 1915: transport nach Brügge
3.10. 15–3.10. 1915: Brügge Rekruten depot, 23. Res. A.K. Kompagnie Leonhard.
- 10.15-oktober 1917: 3. Kompagni Res. Inf. Regt. 216. 23- Res. A.K. 26. Res. Division
Okt. Bis November 1917: 1. M.G.K Res. Inf. Reg. 216
Gefechte
- 1. 1915 – 16. 3. 1915: Stellungen an dem Yserkanal vor Steenstraate, Het Sas, Boesinghe
25.3. 1916-5.9. 1916: Zu den Trichtern von St. Eloi
- 9. 1916- 27.10. 1916: Sommeschlacht bei Ablaincourt und Priesterwald
- 10. 1916- 23.12. 1916: Stellungskrieg vor Reims.
29.1. 1917- 17.3. 1917: Stellungskampf bei Autreches
17.3. 1917- 25.3. 1917: Räumung – Albarich Bewegung.
28.3. 1917- 6.4. 1917: Kämpfe vor der Siegfried Stellung.
24.4. 1917 – 9. 5. 1917: Stellungskampf in der Siegfriedstellung.
11.6. 1917- 20. 7. 1917: Stellungskampf am Chemin des Dames.
- 8. 1917- 9. 11. 1917: Kämpfe vor Verdun, Ornes, Chaumewald.
Verwundungen und Krankheiten
- 7. 1916: Hand und Schulter, Lazarettpost 19.9.-22.9 in Potte Ham, St.Quentin.
22.2. 1917-17.10. 1917: Fresnoy le Grand
- 4. 1917. Malaria Fieber 6. 4.-14.4. Kgl. Pr. Res. Feldlager 78
- 4. – 15. 4. Chambrey.
- 4. – 21. 4. Hirsou.
- 5. – 5. 6. assis, Feld Lag. 78
- 8. 1917 Gasvergiftung 28. 8. – 6. 9. Etappenlager. Virtou.
- 9. – 11. 9. Nonzon
Orden und Ehrenzeichen:
Vorläufiger Ausweis:
Im Namen Seiner Majestät des Kaisers und Königs ist dem Musk. Hansen 3/2 16
Am 9. 9. 1917 das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen worden, was ich hiermit bescheinige.
Regiments Stabs-Quartier, den 5. März 1918.
Gez. Huus
Major und Regimentskommandör.
Stempel
Königl. Preuss. Res. Inf.Regt. 216
Beförderungen:
Herbst 1917: Gefreiter.





























































