Senest opdateret 30. august 2016
Johannes Jepsen 2/7-1890-26/8 1914
Johannes Jepsen diente bei den … von 1910 bis 1913 aktiv und wurde dann zur Reserve entlassen. Als der Krieg ausbrach bekam er seine Mobilmachungsorder mit dem Tag der Gestellung: den ersten Mobilmachungstag; sofort.
Mit dem ersten Zuge trafen die Reservisten am 2. August 1914 in Schleswig ein und stellten sich im Schlosse Gottorp. Im Laufe des Nachmittags wurde Johannes Jepsen mit seinen nun zu ihm gehörenden Kameraden P. Thomsen, Kleinsolt, und N. Hansen, Süderlügum, der 4. Feldeskadron des aktiven Husaren Regimentes 16 zugeteilt.
Nach der Einteilung ging es an das Fassen der feldgrauen Uniform, an das Einkleiden.
Der Hauptteil des Regimentes stand um 3 Uhr morgens auf dem Reitplatz abmarschbereit. Mit Musik ging es nach dem Bahnhof: Verladen.
Ein Teil der Reservisten bekam frisch eingestellte Pferde, die noch nicht auf Kandare geritten waren, aber sich im Feldzug gut bewährten. Diese Gelegenheit brachte es dahin, daß dieser Teil der Reservisten erst am 4.8.1914 verladen wurde, hinter dem Regiment herfuhr und zu diesem am 5.8. in Aachen stieß. Das Ausladen war am Abend um 11 Uhr beendet. Unser Transport der Reservisten brachte das Regiment auf Feldstärke.
In Aachen war Hochbetrieb. Die ganze Stadt war gestopft voll von Truppen. Hier sammelte sich das 1. Kav. Korps unter dem Reitergeneral von der Marwitz.
Zu dem 1. Kav. Korps gehörten die 2., die 4. und die 9. Kav. Division. Die 4. Kav. Division, zu der die 16. Husaren mit dem 18. Regt. die 9. Kav. Brigade bildeten, wurde von dem Kav. General von Garnier geführt. In allem waren etwa 12.000 Reiter zusammengefaßt. Außerdem gehörten zu jeder Kav. Division eine reitende Abteilung Maschinen-Gewehre und ein Jäger Batl., zu uns Jäger Btl. 7.
In dem vollgepropften Aachen standen die 16. Husaren mit ihren Pferden an der Hand bis 3 Uhr in der Nacht auf der Straße, bis die einzelnen Abt. unter Dach und Fach kamen. J. Jepsen kam mit seinen Kameraden in eine Gärtnerei, wo sie einige Stunden Ruhe fanden.
Am Morgen um 9 Uhr Abmarsch. Die 4. Kav. Div. Beginnt den Vormarsch, Radfahrer nebenher, Jäger und Pioniere auf Autos. Um 10 ½ Uhr geht es mit Hurra über die belgische Grenze; Richtung Lüttich.
Die Pioniere müssen voran und die Straße räumen. Der Feind hat die Bäume gekappt und über die Straße gezogen. Die Steine sind aus dem Grund gerissen; aufgetürmt sollen sie den Vormarsch aufhalten.
Es ist nach 3 Uhr, als die Maasbrücke bei Visé in die Luft geht und wir die Maas erreichen. Das 16. Hus. Rgt. marschiert zum Schutz der Artillerie auf und kann erstmalig Granateinschläge sehen, wenn auch vorerst nur aus der Ferne. Bis 9 Uhr liegt das Rgt. auf der Chaussee.
Die Einwohner von Visé beteiligen sich am Kampf; besonders leiden die Jäger; auch eine Patrouille von Rgt. 15 (Hus.) hat Verwundete. Die Verletzen werden auf Autos zurückgeschafft.
Von den Belgiern werden 1 Ulan und ein Gendarm gefangen genommen. Uns lösen die Inf. Regt. 25 und 33 ab; sie gehen vor.
Die Reiterei geht zurück und in Biwaks. Um 12 Uhr nachts stehen die Pferde an der Leine, die Leute bekommen kein Essen, am Morgen keinen Kaffee. Es geht wieder vorwärts an die Maas.
Die Pioniere bauen eine Notbrücke, die indeß noch nicht passierbar ist. Die Übergangsstelle liegt unter feindlichem Feuer. Eine Granate schlägt in das Haus, in dem sich der Regt. Stab aufhält, der Trompeter wird verwundet. Am nächsten Tag bauen die Pioniere an der Brücke weiter. Die Kav. liegt in den umliegenden Dörfern. Aus den Häusern wird von den Einwohnern geschossen.
Verdächtige Häuser werden angezündet; viele Einwohner entfliehen. Die ertappten Heckenschützen werden an die Wand gestellt und erschossen, später einfach erhängt.
Die leerstehenden Dörfer werden von schlechten Elementen, die es in jedem Heer gibt, ausgeplündert. Der Offizierstellvertreter Nissen, 4. Esk. 16. Husaren schreibt in seinem Tagebuch, daß sich hierbei die Ulanen und Kürassiere hervortun.
Es wird Wein gefunden – und das trägt natürlich nicht dazu bei, die entfesselten Instinkte zu besänftigen. Nachts um 11 Uhr sind die Brücken – es sind Laufstege – passierbar. Einzeln mit zwei Schritt Abstand ziehen die Reiter ihre Pferde über den Pontonlaufsteg. Auf der Westseite der Maas sammelt sich das Regiment.
Es wird die Nacht durchgeritten. Die 2 Stunden Ruhepause werden zum Schlafen auf der Landstraße benutzt. Es ist ein Sonntagmorgen, als die Regt. bei einem Dorf mit freundlichen Einwohnern Halt macht. Die Leute geben gegen Bezahlung alles, was sie haben, her.
Um 10 Uhr ist schon wieder Abmarsch. An die 60 km ist die Marschstrecke; Richtung Brüssel. Gegen Abend ist Halt bei einem größeren Ort. Da sich die Einwohner zu 4-500 Mann zusammenrotten, stehen die Offiziere auf Posten.
Der nächste Tag bringt wieder Vormarsch – aber langsam. Auf dem Bahnhof Landen wird ein Zug mit Nachzüglern aus Lüttich geschnappt. Sie fallen alle in Gefangenschaft. Die 4. Eskadron besetzt die Stadt Landen. Da einen Offiziers Patrouille von 1/16 (Ltn. Benecke) mit 18 Mann als vernichtet gemeldet wird, geht das Regt. am Abend wieder vor und bezieht Biwak. Nach einer Stunde: Alarm. Ohne Essen geht’s in den Sattel. Wiederum reiten die Husaren die Nacht durch.
Es ist jetzt der 11. August 1914. Um 10. Uhr vormittags wird ein Biwak bei Le Trond bezogen. Hier ist am gestrigen Tage ein Teil der belgischen Kav. Division auf Tirlemont zurückgeworfen worden. Es naht aber feindliche Infanterie. Die zuerst durch den Anmarsch der Belgier kampflustig gewordene Bevölkerung von Le Trond wir nach einigen Granaten, die die Kav. begleitende Art. in die Stadt schießt, wieder vernünftig. Aber die Kav. Div. ist durch die heranrückende belg. Infanterie gefährdet und muß Hals über Kopf am Nachmittag zurück.
Das Essen ist nur halbgar – es bleibt alles liegen, die Husaren ziehen sich auf Looz zurück. Die 4. Esk. muß den Rückmarsch der Division decken. Um 6 Uhr rückt alles in ein Biwak. Ein Ochse wird geschlachtet. Der 12.8.sieht die 4. Esk. als Bedeckung der Funkstation in Looz. Es ist ein feiner, ruhiger und schöner Tag für die Reiter. Manches arme Hühnlein muß an diesem Tag sein Leben lassen, schmort im Feldkessel und findet in einem hungrigen Husarenmagen sein Grab. Am Nachmittag um 4 Uhr ist das Idyll zu ende, es geht wieder vor wärts bis Le Tond. Da die Beunruhigung durch die starke belgische Infanterie noch andauert, muß Hus. Rgt. 16 um 9 Uhr abends zurück auf Albeek, wo um 12 ½ Biwak bezogen wird. Am 13. 8. läßt man den Reitern bis nachmittags 4 Uhr Ruhe. Es findet Löhnungsapell statt, die Waffen werden gereinigt.
Um 5.45 ist Abmarsch zum Sammelplatz der Division bei Looz. Dort stoßen die Jäger 4 und 7 zur Division, Um 9 Uhr ist der Biwakplatz gefunden. Der Nebel kommt und gibt eine kalte, ungemütliche Nacht. Während die 18. Brigade, zu denen die schleswiger Husaren gehörten, einen Tag der Ruhe hatte und den Rest des Tages mit Warten verbrachte, hatte die 4. Kav. Division bei Hehlen ein Gefecht, bei dem die 18 Dragoner und 7 Kürassiere schwere Verluste hatte. Besonders viele Pferde verlor die Maschinengewehrkompagnie.
Am 14.8. wurde um 6 Uhr zum Aufsitzen befohlen. Um 6:45 rückte das Husaren Reg. im Verbande der Brigade vor. Es marschierten Art. und MG mit. Um 10 Uhr wurde bei Engelmannshoven gehalten. Um 8 ½ Uhr Abmarsch nach Kroks. Biwak. Die erste Eskadron rückt als Aufklärungseskadron nach vorne, wird von den Belgiern versprengt und aufgerieben.
Am 15.8. ist um 7 Uhr Abmarsch vom Biwak zur Vereinigung mit der 9. Kav. Division. Der Ritt geht durch eine schöne und fruchtbare Gegend. Viele kleine hübsche Städte werden durchritten. (Um 1 Uhr ist Tränkpause). Um 4 Uhr stößt man auf eine Eisenbahn, die zerstört wird. Auf einem abgelegenen Felde wird um 4 ½ Biwak bezogen. Die Nacht 1.6.8.14 bringt Regen. Um 5 ½ Uhr geht’s am 16.8. vorwärts.
Die 4. Eskadron hat die Vorhut. Die Bewohner warden wieder angriffslustiger. Als um 10 Uhr eine Rast eingelegt wird. bekommt die 4. Eskadron Feuer. Ein Pferd fiel. Alles prescht zurück die Pferde warden von den Pferdehaltern bewacht; die Eskadron geht in Schützenlinie wieder vor. Im Dorf ist feindliche Infanterie. Es entsteht ein Feuergefecht. Am Eingang des Dorfes lag ein Kloster, als die Husaren vorgingen, standen an dem Klostereingang Mönche, die den Husaren Brot und Wein gaben. Das Dorf wurde von der feindlichen Infanterie gesäubert. Es mußten aber den Tagüber der Sicherheit wegen Posten stehen. Den Einwohnern war nicht zu trauen.
Um 5 Uhr wurde die Spitzeneskadron, die vierte, auf das Biwak der Division zurückgezogen, wo sie im Dunkeln anlangte. Das Essen war alle, so mußte man sich mit leerem Magen ins Stroh werfen. Die am 14.8.als versprengt und aufgeriebne 1. Eskadron hat sich wieder angefunden, sie bringt aber nur 30 Pferde mit zurück. Die anderen Husaren reiten Fahrräder. Die Eskadron hat harte Verluste zu beklagen. Aber eins hat die Not der ersten Eskadron gezeigt, bei Tirlemont setz sich der Gegner zur Wehr.
17.8.1914 Befehl: II. Kav. Korps ist für das Vorgehen nördlich die Maas der II. Armee unterstellt. Der Vormarsch ist am 18.8.aufzunehmen. Der Feind ist zwischen Diest – Tirlemont – Wawre nach Antwerpen abzudrängen.
17.08.1914 Armeebefehl: Das II. Kav.Korps ist der I. Armee unterstellt. Es ist auf Veerle vorzugehen. Dem Feind ist der Rückzug abzuschneiden. Auf jeden Fall haben die Husaren Ruhe, was man bei den Preußen Ruhe nennt. Um 5 Uhr bläst der Trompeter im Biwak bei Jauche das Wecken. Um 6 Uhr ist Abmarsch zum anderen Ende des Ortes. wo sich die Division in ihren Brigaden sammelt. Es wird gewartet!
Um 3 Uhr am Nachmittag kommen Lebensmittel, die Pferde kriegen ihren wohlverdienten Hafer: Es fängt eine richtige Schmauserei an: Gelee und Schokolade, Wein und Zigarren. Dazu Schweinefleisch. Die Waffen werden gereinigt. – Morgen beginnt wohl die große Entscheidungsschlacht gegen die Belgier. Da will noch jeder einmal richtig ausschlafen, vielleicht den letzten Schlaf vorm morgen.
Die Züge sitzen einzeln ab, das Biwak zum Bleiben eingerichtet – nur die Pferde stehen gesattelt.
10.30 Alarm!
Um 11 Uhr Abmarsch, zurück nach Hannut. In Stockfinsterheit nach 1 ½ Stunde dort eingetroffen. Es wird in Zügen aufmarschiert. Die Pferde bleiben gesattelt und wir schlafen bei den Pferden.
18.8.1914 Armeebefehl: Das 2. Korps setzt sich frühzeitig vor den rechten Flügel und geht über Aerschop in Richtung Brüssel vor. Es wird gegen Antwerpen und beiderseits von Brüssel nach Westen hin aufgeklärt.
Um 10:00 Uhr setzen sich die Husaren gegen Tirlemont in Marsch. Es geht vor den rechten Flügel der II. Armee. Es soll auf der ganzen Linie angegriffen werden. Um 12 Uhr ist aber für die Husaren am Bahnhof Ehegs mit dem Vormarsch Schluß. 2 Züge verbleiben als Bedeckung bei der leichten Funkstation. Während wir die verdammten Funker beschützen, greift unsere 4. + 9. Kav. Division bei Perwez die 5. französische Kav. Division u. franz. Radfahrer an. Unsere Art. pfeffert mächtig dazwischen und den Rest besorgt eine flotte Attacke. Es werden zwei Geschütze und 2 MG erobert.
Vor uns, der Funkenwache, ist die Schlacht bei Tirlemont. Die Front ist 90 km lang. Die Flensburger 86er sind dabei. Es werden 1 Fahne, eine schwere und eine Feldbatterie erobert und 500 Belagerer marschieren in ein deutsches Gefangenenlager.
Die Funkstation geht um 7 Uhr nach Jauche zurück. Die Husaren müssen mit. Es geht ins Biwak. Das Wetter ist gut. Am 19.8.um 6 Uhr Abmarsch auf Namur. Die Infanterie ist zur Stelle. Die 16ner Husaren bilden den linken Flügel der Garde Infanterie Division. Nach einer kleinen Rast um 12 Uhr geht’s ins Gefecht gegen zurückgehende fdl. Infanterie und Kavallerie. Wohl sechs bis sieben mal nahmen die 16ner Husaren Aufstellung zur Attacke, aber der Feind nahm nicht an. Er hatte wohl vom vorigen Tage genug. Am Abend muß die 4. Eskadron auf Vorhut, noch etwa 5 Kilometer weiter vorwärts. Um 7 Uhr geht’s zurück ins Biwak.
Aber das Regiment mit seinem Biwakplatz ist nicht zu finden. Die Reiter suchen und suchen. Es geht durch ein Dorf. Hier liegt die Infanterie. Beim Einmarsch ist diese von den Einwohnern beschossen worden. In einem Keller fand man einen gefesselten Kürassier. Da trieb man die Einwohner in zwei Häuser und setzte Wachen davor. Eine ganze Straße stand in hellen Flammen.
Um 12 Uhr wurde endlich das Biwak gefunden; es war aber kein Wasser da.
Am 20.8. kommt um 3 ½ Uhr nachts der Befehl zum Vormarsch. Um 5 Uhr steht alles bereit; um 5:30 geht’s vor gegen Namur. Die Feldpost trifft ein, sagt aber nur, daß alle bisher abgeschickten Briefe in Aachen festgehalten sind. Um 12 Uhr wird eine halbe Stunde Rast eingeschoben. Die Nachricht kommt, daß die I. Armee Brüssel besetzt hat. Die Marschrichtung wird geändert. Es geht jetzt gegen Antwerpen. Um 5 Uhr am Nachmittag ist das Biwak erreicht. In den Lüften tobt ein mächtiges Gewitter, aber kein Tropfen Regen kommt herunter. Es ist ein feines Biwak. In der Umgegend sind große Weinbestände gefunden worden; infolgedessen ist es bei den Husaren sehr vergnügt.
Jeder bekommt neue Wäsche, das heißt ehe der Bestand von der Kommandobehörde erfaßt ist, ist die Hälfte schon eigenhändig requiriert. Es ist zwar verboten auf eigene Hand zu nehmen, aber wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter. Es werden belgische Zeitungen gefunden. Sie schreiben von großen Erfolgen gegen die Deutschen, und dabei marschieren die Belgier so fix, aber nach Westen, daß unsere Pferde kaum folgen können. Bei den Einwohnern scheint die Wahrheit zu dämmern, denn sie sind sehr freundlich und zuvorkommend; wohl weniger aus Liebe, wohl aus Furcht. Wir sind aber auch „verdammte Boche“. Da der Feind fast nie Attacken annimmt, werden die Leute immer dreister und frecher. Jede feindliche Abteilung, und sei sie den Unsrigen an Personenzahl noch so überlegen, sie wird sofort angegriffen.
Die wildesten Gerücht, Latrinenparolen laufen um: Italien hat den Krieg erklärt. In Rußland herrscht Hungersnot. England hat Holland den Krieg erklärt. Die 16ner Husaren glauben fest daran, daß sie den Holländern zu Hilfe eilen sollen. Sie glauben, daß sie Frankreich wohl nicht zu Gesicht bekommen werden. Namur ist von Deutschen eingeschlossen und wird belagert.
21.8.914 funkteleg. Befehl: Von der Marwitz vereinigt bei Ath die 2., 4, und 9. Kav: Divis. Sie ist dem AOK II unterstellt.
Um 7 Uhr ist Abmarsch der ganzen Division, Richtung Norden. Die 4., 7. und 10. Jäger folgen. Unterwegs wird das Regiment 53 von der 1. Inf. Div. getroffen.
Das Regiment marschiert in den Belagerungsgürtel von Namur. Am Vormittag wird die schöne Stadt Niveller durchritten, deren Bewohner sehr freundlich sind. Um 2 Uhr ist an einem Kanal Rast gemacht.
Um 4 Uhr wird bei einem großen Ort Biwak bezogen. Die Bewohner des Landes werden echt französisch. Die Husaren verstehen kein Wort mehr.
Am Abend kommt ein deutscher Monteur, der in Belgien wohnte, in das Reiterbiwak Ein Husar ist mal „abgestiegen“ (ich bitte Herrn Unteroffizier mal austreten zu dürfen) und hat den Anschluß verpaßt. Ein Gefreiter gerät unter einen Wagen der Art. Bagage.
22.8. Schon am gestrigen Tag hat zum Schluß die Kav. Division die Marschrichtung geändert. Es geht nicht mehr nach Norden sondern nach Nordwesten. Die Sonne zeigt uns die Marschrichtung. Am Nachmittag wird uns bekannt, daß es mit Holland nichts ist. Es geht nun doch nach Frankreich. Noch einen Tag Marsch, dann steht die Kav. Divis. Wieder vor der Spitze der I. Armee.
Die IV. Armee unter dem Kronprinzen hat bei Luneville eine große Schlacht geschlagen. Es sollen mehrere Tausend Gefangene gemacht sein.
Um 3 Uhr am Nachmittag wird ein Ortsbiwak 20 km von der französischen Grenze bezogen.
Das Regiment 16 hat Vorposten. Johannes Jepsen mit seinen Kameraden bezieht in Houtning Feldwache. Die Einwohner kochen für die Husaren Essen; verständigen können sie sich nur durch Zeichen, kein Wort ist zu verstehen.
23.8.1914 Befehl v. d. Marwitz vereinigt im Raume Renaix, Ath, Leuze die Kav. Er biegt mit der Masse aus südlicher in nordwestliche Richtung.
Um 8 Uhr Abmarsch der 16ner Husaren. Die Division ist schon vorgegangen. Bei einem Ort „Halt“, abgesessen“. Nach kurzem Fußgefecht, das gegen Engländer geliefert wird, werden die zwei Gefallenen: Ltn. Steny und Husar Göppel, begraben.
Dann wird aufgesessen. Um 12 Uhr Aufbruch. Der ziemlich lange Marsch bei mächtiger Hitze geht jetzt in SW Richtung immer an der französischen Grenze entlang.
Um 5 Uhr wird auf eine feinen Wiese an einem Dorf das Biwak bezogen. Hier erreicht die erste Feldpost das Regiment.
23.8.1914 Armee Befehl: Das gestern gebildete Heeres Kav. Korps II unter von der Marwitz gehrt südlich Denain gegen den Rücken der Engländer vor und schneidet ihnen den Rückzug nach Westen ab.
Um 6 ¼ Uhr brechen die Husaren auf. Vormarsch auf Tournai. Die 2. Eskadron bildet die Vorhut.
Um 10 Uhr „absitzen“ . Gegen das von älteren französischen Formationen mit ihren roten Hosen besetzte Tournai gehen die Husaren in Schützenlinien vor. Ihnen folgen die Jäger. Die Artil. schießt wenig; auch die vorgehenden Schützenlinien haben wenig unter Feuer zu leiden. Dieses stammt aus den Randhäusern der Stadt.
Als die Angreifer in die Stadt eindringen, schlägt ihnen aus der rechten Flanke, aus dem Bahnhof, heftigeres Feuer entgegen. Gegen den Bahnhof wird die 4. Eskadron angesetzt. Der Zug, zu dem Johannes Jepsen gehört, unter Führung von Ofz. Stellvertreter Nissen deckt sich hinter einer Holzplanke. Jetzt gehen die Kugeln drüberweg. Es wird in die Häuser eingedrungen und die Dachkammern besetzt. Endlich werden die feindlichen Schützen entdeckt, es werden Schießlöcher gebrochen und der Feind heftig unter Feuer genommen. Als der Feind die Dachschützen unter starkes Feuer nimmt, gehen die Husaren, die sich zu schwach fühlen, zur Eskadron zurück.
Die Jäger stürmen jetzt die Stadt. Häuser, aus denen Schüsse fielen, gehen in Flammen auf. Die Franzosen, Reserve und Landwehr reißen aus oder lassen sich gefangen nehmen. (500 Gefangene).
Aus Gram über die schlechte Haltung seiner Leute erschießt sich ein französischer Batl. Komd. Einige französische Soldaten versuchen in Zivilzeug zu entfliehen. Die man erwischt werden an die Wand gestellt und erschossen.
Bei Angriff habe die Jäger 10 Tote verloren. Das Husaren Rgt. 16 verlor:
- Eskadr. 2 Husaren tot.
Rittmeister v. Ostmann Beinschuß
- Eskadron Husar Göpel, 1 Rückenschuß, 2 Kopfschüsse, tot
Sergt. Sittbaker tot
Trompeter Worthuse Armschuß
- Eskadron Ltn Stever, Kopfschuß, tot.
Eine Abordnung von Offizieren und Husaren begraben Ltn. Stever im Park des Krankenhauses. Sergt. Sittbaker und Husar Göpel finden ihre Ruhestätte auf dem Friedhof.
Es kommt die Nachricht, daß die I. und II Armee mit 6 englischen, eben ausgeladenen Divisionen im Kampfe gestanden und sie geschlagen habe. Um 2 Uhr wird der Marsch zur überholenden Verfolgung bei großer Hitze angetreten. Die Husaren durchreiten Tourmai und sehen in den Straßen noch zahlreiche Tote und Verwundete der Franzosen. Nun geht’s mit den Jäger Btl. mit voller Musik gegen die französische Grenze. Um 7:10 wird sie unter Hurra und Singen „Wacht am Rhein und Deutschland, Deutschland über alles“ überschritten. Auf der Vormarschstraße liegen viele tote Franzosen und verendete Pferde. Trupps von gefangenen Franzosen kommen den Husaren ntgegen.. Die Dörfer, die durchritten werden, sind in Brand gesteckt und sehen nach Plünderung aus. Die Haussachen liegen auf der Straße herum. die nicht geflüchteten Einwohner stehen zwischen ihrem verwüsteten Eigentum.
Am Abend um 9 Uhr wird eine kleine Stadt, wahrscheinlich Ochies, erreicht. Sie bietet einen schrecklichen Anblick. Alle Straßen liegen in Dunkel. Sämtliche Türen und Fenster sind zerschlagen. Die Läden und Wirtschaften sind ausgeplündert und bieten das Bild ärgster Zerstörung. Die Straße wird von herausgeworfenem Hausrat und toten Franzosen gesperrt. (In Ochies fand der schwere Franktireurüberfall statt. Die Stadt wurde zur Strafe zerstört).
Um 10 Uhr wird gleich hinter der Stadt Halt gemacht. Die Pferde werden gefüttert und die Reiter schlafen eine kurze Stunde. Schon um 11:30 geht der Vormarsch weiter. Die Pferde sind müde, schlapp und fertig. Aber es muß weiter gehen. Die Engländer sind von der I. und II. Armee geschlagen; bei der II. teilweise bei der Ausladung angegriffen. Das Heere Kav. Korps II muß die fliehenden Engländer überflügeln. Also: Aufgesessen und die müden Gäule angetrieben.
Die Marschleistung der Jäger ist bewundernswert. Schon 60 Kilometer haben die müden Füße hinter sich gebracht, immer eins – zwei – eins – zwei. Das Gepäck der Jäger und die, die schlapp gemacht haben, werden auf requirierten Wagen mitgeführt. Den ganzen Vormittag des 25.8. geht der überholende Marsch.
Mittag 12 Uhr ist Rast. In der fürchterlichen Hitze fallen die Husaren fast von den Pferden. Am Horizont droht dunkel ein Gewitter. Um 1:30 Alarm!
4. Eskadron Rgt. 16 und 5. Esk. Rgt. 15 Husaren gehen gegen ein in der Nähe liegendes Dorf [Haspres] vor. Jenseits des Dorfes sieht man feindliche Trupps.
Beim Anreiten gegen das Dorf bekommen die beiden Esk. ein plötzliches Feuer aus einem Rübenfeld. Im Galopp geht es zurück, um dann in Schützenlinien wieder anzugreifen. Der Zug des Offz. Stellv. Nissen schwärmt links heraus; die 5/15 Husaren nehmen die rechten Flügel. Vor ihnen sieht man zurückgehende feindliche Schützen.
Mit Visier 700 Meter wird das Feuergefecht aufgenommen. In Sprüngen geht es gegen das Dorf links vorbei, bis der Zug in einen Hohlweg gelangt, der rechts hin zum Dorf führt. Die Husaren liegen nur 150 Meter vom Dorfeingang weg. Plötzlich schlägt ihnen feindliches Infanteriefeuer vom Dorfeingang in die rechte Flanke. Der Zug muß zurück, da die Verluste sich häufen.
Vor dem Dorfeingang stehen plötzlich franz. Infanteristen, die mit Mützen und Gewehren winken. Im Glauben, daß sich die Franzosen ergeben wollen, springen 15 Mann aus dem Zug Nissen auf und gehen vor. Auf 30 Meter Entfernung schießen die Franzosen. Wie der Blitz liegen die Husaren in den Rüben und geben Schnellfeuer ab. Es treten Verluste ein. Die Husaren gehen zurück; zuerst eine Strecke gekrochen, dann aufrecht gehend. Es kommt Verstärkung vom Husaren Rgt. 15. Diese geht unter Deckung von Art. Feuer gegen das Dorf vor und nimmt es. Die 4. Eskadron Rgt. 16 geht an die Pferde und reitet ins Dorf. Hier werden noch von ihr 60 Franzosen aufgestöbert und gefangen genommen.
Der Zug Nissen verlor:
Untffz. Coursa, Schuß ins Kreuz, tot.
Sgt. Schulz; Oberschenkel
Hus. Lesny schw. Oberschenkel
Hus. Wohlert Handschuß
Hus. Klüder schw. Oberarm
Tromp. Krumbein 2 Streifschüsse: 1 Arm, 1 Pelzmütze.
Beim Abreiten ins nächste Dorf platzt der Gewitterregen los, der alle und alles durchnäßt. Die schleswiger Husaren beziehen Ortsbiwak; die Pferde werden nicht abgesattelt.
25.8.1914. Bericht der I. Armee v.d. Marwitz drängt bei Bouchain – Denain franz. Territoriale zurück und zwingt sie in nordwestliche Richtung. Von Solesmes aus Cambrai zurückweichende Engländer werden gezwungen nach Süden auszuweichen.
26.8.1914 Nachdem sich die Division gesammelt hat geht es um 4 Uhr morgens wieder los. Die 16ner Husaren reiten über Saulzon, St. Vaast gegen Quiévy vor. Das ganze englische Expeditionskorps nebst der 6. franz. Inf. Div., der 1. franz. Kav. Div. und mehreren französichen Territorial Divis. soll festgehalten werden, bis die Infanterie der I. Armee von Kluck heran ist.
Um 7 Uhr morgens hat man die Engländer im Dorfe Quiévy gefaßt. Die begleitende Art. nimmt das Dorf unter Feuer, während die 15ner Husaren und die 2. Esk. Rgt. 16 das Fußgefecht aufnehmen. Die 4. Eskadron Husaren Rgt. 16 liegt hinter der Höhe in Bereitschaft.
Johannes Jepsen mit noch 2 Kameraden hatte am Morgen den Befehl bekommen die Sanitätswagen zu begleiten.Dieser Wagen hielt in der Geländeschlucht neben der Eskadron. Nach links hin sah man den Kirchturm des Dorfes Bethencourt. Auf diesem Turm saß der Beobachter der englischen Batterien, die an der Straße Le Ceteau – Cambrai aufgefahren waren. (Die Sage ging, daß die engl. Art. Durch einen Beobacht hinter dem Rücken der 16ner Husaren mittels Telefonleitung ständig vom Standort des Rgt. unterrichtet worden sei. Nachdem diese Leitung abgeschnitten worden sei, blieb die 4. Esk. Hus. Rgt. 16 von Feuere verschont).
Gleich die erste Granate schlug in der Nähe des Sanitätswagens ein. Ein Splitter fuhr Johannes Jepsen in die Brust. Man legte ihn auf eine Bahre aus dem Sanitätswagen, aber seine Kameraden hatten sich umsonst bemüht. Johannes Jepsen war tot.
Da das Feuer der engl. Batterien zu einem noch gehörten Getöse anschwoll, wurde das Regiment auseinandergezogen.
Seinen Auftrag hatte die 18. Brigade, zu der das Husaren Rgt. gehörte, glänzend erfüllt. Der Engländer wurde festgehalten. Die Infanterie der I. Armee kam heran und schlug den Engländer vernichtend aufs Haupt.
Heeresbericht: Die bei Maubeuge geschlagene, auf St. Quentin fliehende englische Armee wird durch deutsche Kavalleriemassen von Südwesten her umfaßt und zum Stehen gebracht.
Generaloberst v. Kluck greift die Engländer, denen sich drei franz. Divisionen angeschlossen haben, nördlich von St. Quentin an und schlägt sie vollkommen. Sie befinden sich in vollem Rückzuge nach Südwesten und sind dadurch von ihren rückwärtigen Verbindungen gänzlich abgeschlossen.
Die englischen Verluste sind sehr erheblich; verschiedene Regimenter sind bis über die Hälfte, einzelne Batterien völlig vernichtet. Wir erbeuteten mehrere tausend (2600) Gefangene, sieben Feldbatterien und eine schwere Batterie.
Kurz nur war Johannes Jepsens Kriegszeit. Ihm wurde sie aber doppeltschwer. Sie drückte sein Herz, denn, wie seine Kameraden sagen, trug er die Ahnung seines frühen Todes in sich. Ihn kosteten Anstrengungen, Strapazen und das Sehen des Krieges mit seinen Schrecken mehr Überwindung als seinen Kameraden.
Aber er lebte und starb im Vertrauen auf die gerechte Sache und im Glauben an den Sieg mit dem Bewußtsein, seine Pflicht im Leben und im Tode gegen Heimat und Vaterland getan zu haben.

















