Jürgensen, Hans Ferdinand (1885-)

Senest opdateret 23. januar 2017

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Hans Ferdinand Jürgensen 9.12.1885

Am 26.6.1915 wurde ich als Landsturm-Armierungssoldat nach Altona eingezogen. Wir lagen in der kleinen Bergstraße in Privatquartier in einer Wirtschaft. Wir wurden feldgrau eingekleidet, erhielten eine vollständige Infanterieausrüstung, nur eben ohne Gewehr und Waffen. Nur unsere Unteroffiziere waren „Soldaten“, wir nur „Arbeiter“, „Schipper“.

Nach 3 Tagen kamen wir schon auf die Bahn und fuhren nach Osten.

Mitte Juli 1915, nach dem erfolgreichen Durchbruch am 2. Mai bei Gorlice und der Befreiung Galiziens, setzten sich die deutschen Heeresmassen aus der Winterstellung Rawka-Nida nach Osten in Bewegung. Es ist wohl der größte zusammenhängende Vorwärtsdrang von Armeen, den überhaupt die Welt gesehen hat. Im Norden bis zum Naraw und Bug befahl Hindenburg: unter ihm standen die Generäle Below, Eichhorn, Scholz und Gallwitz. Zwischen Bug und dem Weichselnebenfluß Wierprsch befehligte Leopold von Bayern und unter ihm General Woyrsch. Aus dem befreiten Galizien drang Mackensen, unter ihm Joseph Ferdinand, Linsingen und Ruhallo, vor. Und ganz im Südosten übernahmen den Flankenschutz Böhm-Ermolli, Bothmer und Pflanzer-Baltin.

In rascher Folge vollzog sich die Niederzwingung der polnischen Festungskette an der Weichsel, am Narew und Bobr und um Njemen.

24. Juli    Narew- Festungen Rozan }
Pultusk } Gallwitz
4. Aug.    Narew Festg. Ostrolenka: Scholz
5.   “    Nach Bezwingung der starken Linie Blain-Grozn die Weichselfestg. Warschau: Leopold v. Bayern
8.   “     Weichselfestg. Iwangorod: Woyrsch
9.   “    Narewfstg. Lomsha: Scholz
18.   “    Njemenfstg. Kowno: Eichhorn
20.   “    Weichselfstg. Nowo Georgiewsk: Gallwitz
23.   “    Bobr Fstg. Offowiecz: Scholz
26.     Njemenfstg. Olita: Eichhorn
27.   “    Bug Fstg. Brest Litowsk: Mackensen
31.   “    wolynische Festg. Luzk: Mackensen
4. Sept.    Njemen Fstg. Gradno: Scholz
8.   “    wolynische Fstg. Dubno: Böhm-Ermolli
In der Zeit vom 24. Juli bis zum 8. Sept. wurden nicht weniger als 16 russische Festungen erobert.

(Noch 2 kl. Werke am 8. Augst. durch Gallwitz).

Rasch vollzog sich auch der weitere Vormarsch. Schon am 28. August 1915 hatte Leopold von
Bayern den Urwald von Bialystock durchschritten; am 16. Sept. wurde Pinsk durch Mackensen, am 19. Sept. Wilna durch Eichhorn und am 24. Sept. der wichtigste Bahnknoten Baranowitschi erobert.
Im Norden, in Kurland (General Below), wurde am 4. August Mitau, am 2. Sept. Schlock am Rigaischen Meerbusen, am 3. Sept. Friedrichstadt, am 15. Sept. Illuxt bei Dünaburg erreicht.

Es  begann nun der Stellungskrieg in der Linie:
Riga .. Pinsk .. Styr .. Sereth
(Diese Linie blieb in der Hauptsache bis zum Febr. 1918.

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In zwei Monaten war ein 1000km langes, im Mittel 250km (an der breitesten Stelle Rawka Minsk 400km) breites Gebiet durchschritten, ein Raumgewinn von 250.000km², beinahe 17 x
Schleswig-Holstein mit fast 2 Millionen Gefangenen.

Natürlich versuchte der Russe zurückzuerobern. Er griff im Oktober, November und Dezember an der ganzen Front an: erfolglos.

Er griff im Süden am Sereth an: ein kleiner Erfolg

Er griff im März 1916 am Naroczsee an: Erfolg 150.000 Mann Verluste

Er griff im Juni bis Okt. 16 bei Baranowitschi u. an der Beresina1 an: erfolglos, im Süden bei den Österreichern stieß er 50km vor.

Dann wühlte im Winter 1916-17 in der russischen Armee die Revolution, die am 16.3.17 zur Absetzung und späteren Ermordung des Zaren führte.

Hinter diesem gewaltigen Schlachtenvorhang waren wir Schipper, keine Soldaten im Sinne des Krieges, sondern Arbeiter. Für etwaige Rückschläge ließ die vorsorgliche Armeeführung Ost  rückwärtige Stellungen ausheben. Und dabei haben wir von der 2. Kompagnie des Armierungsbataillons N° 55 wacker mitgeholfen.

Unser Transport führte uns über Ortelsburg nach Willenberg. Beide Orte waren gänzlich zerschossen. Ein Marsch in einem Gewitter mit strömenden Regen brachte uns von Willenberg nach Groß Piwnitz. Durchnaß kamen wir an. In einem der russisch anmutenden Bauernhäuser fanden wir unser Quartier. Kam man zur Tür rein, so gähnten einem rechts und links die dunklen Löcher, in denen Korn und Heu aufbewahrt wurden, entgegen. Da hauten wir uns rein und schliefen erst mal.

In der Zeit von Juli bis etwa den 20. August 1915 bauten wir bei Groß Piwnitz Infanterie Stellungen. Unser Quartier blieb im Dorf, unser Appell- und Antreteplatz war bei der Mühle. Die
Stellungen, an denen wir bauten wurden täglich durch einen halbstündigen Marsch erreicht. Die Wände der Gräben versteiften wir mit Zweigenwänden, die in den Wäldern dort angefertigt wurden.

Die Unterstände wurden einfach von oben in die Erde eingegraben und bekamen nach dem Ausbau einfach eine Decke, gleichsam als Deckel, aufgelegt. (Die Stollen-Unterstände der späteren Jahre
kannte man noch nicht.) Vom Kriege merkten wir eigentlich nichts; die Front war weit ab. Wir wurden aber immer an ihn erinnert; täglich brachte die Förderbahn Verwundete zurück.

Dann wurden wir nach Fürstenwalde beordert. Beim Marsch, wir ruhten gerade im Chausseegraben, kamen beim Antreten einige Kameraden nicht fix genug mit. Da ritt unser Komp.führer, der kriegsfreiwillige Feldwebel Ltnant mit dem schönen und zutreffenden Namen Best über sie mit seinem Gaul weg. (Es wird über das „Beest“ (so wurde er genannt) noch mehr zu sagen
sein. Er war Förster in Hammeleft in Nordschleswig).

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Druskieniki

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Druskieniki
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Druskieniki

Das Dorf Fürstenwalde, stramm an der Grenze gelegen, war gänzlich zerschossen. Unsere Arbeit hieß wieder wie in meiner ganzen Soldatenzeit „Stellungbauen“.

Der Anmarsch war aber sehr lang und beschwerlich; er führte durch tiefen Sand und dunkle Wälder. 14 Tage haben wir hier wohl gebaut, dann wurden wir verladen und fuhren auf einer Normalspurbahn nach der russischen Stadt Augustowo. Dieser Zug war vollständig verlaust. Wir bekamen die erste Einquartierung. Einfach an den Hosenbeinen liefen uns die Läuse herauf.

In Augustowo war noch kein Platz für uns. So blieben wir 3 Tage im Zug auf einem Bahndamm liegen. Unser „Best“ machte man uns wieder sein Extravergnügen. Wir ungedienten Knochen sollten auch die Fixigkeit lernen. Und darum hieß es:

Marsch marsch – aus dem Zug den Bahndamm runter. Wenn wir unten standen, mehr gefallen und gestolpert als gelaufen, so hieß es:

Marsch marsch in den Zug. Wenn man diese schöne Übung mehrmals macht, so hängt einem die Zunge zum Halse raus.

(Der Sohn von unserm „Best“ ist eben nach dem Krieg Förster in Lindewitt gewesen. Er war gerade das Gegenteil zu seinem Vater. Wenn er noch länger in Lindewitt geblieben wäre, so stände
der Forst nur noch halb).

Eine Nacht lagen wir in Augustowo in einer Kaserne. Alles lag voll von Kolonnen. Vor jedem Wagen waren 3 Panjepferde eingespannt. Ledergeschirr hatte aber kein Gaul, nur hanfenes Notgeschirr.

Dann marschierten wir in drei Tagesmärschen nach Grodno. Unsere Küche konnte nicht mitkommen – und sowie so gab es keinen Proviant. Unsere „eiserne Portion“ mußte dran glauben. Dann wurde der Weißkohl auf den Feldern roh gegessen.

Die erste Nacht lagerten wir im Walde, die zweite Nacht in einer Scheune auf ungedroschenem Roggen. Während dieses Marsches
machte sich die Wut gegen den Feldwebel Leutnant Best Luft; sein Hund mußte dran glauben. Er wurde aufgehängt. Wir kamen in ein Fort vor Grodno. Unsere Quartiere waren alte russische Unterstände.

Unsere Arbeitszeit war sehr lang. Vom frühen Morgen bis zum frühen Abend belegten wir die zerstörten Festungswälle mit Soden. Die Arbeit drückte uns jedoch nicht so sehr wie: das schlechte
und wenige Essen, die schlechte Unterkunft. Erst am Abend nach dem langen Tag gab es schlechtes und weniges Essen; ja, es kann des Essens wegen zu Schlägereien. Und dann kroch man in die kalten
Unterstände, ohne Licht, ganz im Finstern – und dazu wimmelten diese noch von Läusen. Es waren gottseidank nur 14 Tage auf dem Fort von Grodno, sonst hätte man verrückt werden können.

Nach diesem schlechten Aufenthalt marschierten wir auf einer Pontonbrücke über den Njemen nach Chiedomla.

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Dorf-Schönen i Russland
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Ein russisches Bauernhaus
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Dorfstrasse in Russland
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Ein Leichenzug in Russland

Das Essen wurde mehr, aber nicht besser. Jeden Tag gab es Erbsen; aber an keinem Tag waren sie gar, sondern hart und kaum zu zerbeißen. Hier bei Chiedomla zogen wir vor rückwärtigen Stellungen Drahtverhaue. Aber diese mußten schurgerade und genau stehen. Einer aus der Etappe hatte das Kommando. Wehe, wenn nicht alles ordungsgemäß und schurgerade war. (Siehe das Bild bei _________).

Der Lehmboden war steinhart gefroren. Mit einem Stock mit eiserner Spitze mußte ein Loch vorgeschlagen werden. Dann wurden Pflöcke eingeschlagen, die ausgerichtet stehen mußten. Erst kam schlichter Draht und dann Stacheldraht. Hier arbeiteten wir 14 Tage oder 3 Wochen; dann ging es im Marsch nach Druskeniki. Das war ein feiner Ort. Früher in Friedenszeiten war es ein russischer Badeort gewesen. All die feinen Villen und Häuser standen leer für uns da. Einwohner waren keine da. Später fanden sich Juden ein, die dann sofort Handel und Geschäfte einrichteten. Wir wurden auf die Häuser verteilt. Das waren aber andere Quartiere als in Grodno. Wir lagen alle in Stuben auf Matratzen. Unsere Arbeit? Stellungsbau.

Jeden Tag ging es auf einem endlos weiten Anmarschwegen hinaus in „unsere Stellung“. Trotz der schönen Quartiere hatten wir ein ganz trostloses Weihnachtsfest. Draußen tobte ein furchtbarer Schneesturm. Alle unsere Proviantwagen blieben in den Schneewehen stecken – uns erreichte keine Weihnachtssendung. Ja, wir konnten sogar nicht einmal eine Weihnachtsfeier abhalten. Wir saßen einsam in unseren Stuben, dachten an die liebe Heimat und hatten nichts mehr als den Glauben an Gott und unsere Kameraden.
Im Januar 1916 wurden wir verladen und fuhren nach Iwje. Der Transport dauerte einige Tage. Als wir in unserem Bestimmungsort Iwje ausgeladen wurden, war es stockfinstere Nacht. Ich war Kutscher an einem Proviantwagen geworden. Wir mußten unsere Fahrzeuge freimachen, die Pferde aus dem Waggon herausholen und anspannen. Sofort ging es weiter. Die ganze Nacht hindurch wurde stramm marschiert, bis wir am anderen Tage unseren neuen Arbeitsort, Groß Chastun an der Beresina, erreichten. Gleich am nächsten Tage mußte ich nach Iwje zurück, um dort Proviant zu holen. Ich fuhr einen russischen Kolonnenwagen. Eine Eigenart dieser russischen Wagen ist, daß die Räder überaus steil stehen. Ich saß in meinen dicken Schafpelzmantel eingehüllt oben auf meinem Bock. Alles war dick beschneit und der Frost hatte alles mit einer dicken harten Eisdecke überzogen. Wir hatten in Iwje unseren Proviant ausgeliefert erhalten, auf dem Wagen verstaut, und waren auf der Rückfahrt. Plötzlich, an einer steilen Straße, merkte ich, daß der Wagen ins Rutschen kam. Trotz meines dicken Pelzmantels kam ich mit einem großen Schwung vom Wagen runter; da lag der aber schon umgekippt im Straßengraben.

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Russisches Gehöft

Unser Quartier war das Dorf Groß Chastun an der Beresina, etwa 50km von Iwje entfernt. Wir lagen im Dorf in den Bauernhäusern. Anfangs war das Dorf noch von den Einwohnern bewohnt; später, als der Beschuß einsetzte, verschwanden die russischen Bauern aber bald und ließen uns den russischen Granatsegen.

Am Dorf lag der Soldatenfriedhof, auf dem wir auch unseren Feldgottesdienst hatten.

Vor uns im Walde lag bayrische Feldartillerie, hinter dem Dorf lagen die Haubitzen. Sogern man sonst die Menschen mag – diese Artilleristen waren uns nicht lieb. Wenn sie nämlich zu feuern anfingen, dann antwortete die russische Artillerie promp. Und ihr Zielpunkt war Groß Chastun – und das waren wir – aber bestimmt doch unsere Quartiere. Und wenn darum unsere Artillerie zu feuern anfing, dann wurden wir ärgerlich, denn die russische Antwort traf nicht die Absender sondern uns.

Äußerst unangenehm waren die russischen Flieger, die jeden Tag unsere Linien überflogen. Sie haben bei uns zwar nie Bomben abgeworfen, störten aber ständig unsere Arbeiten.

Wir bauten Stellungen. Da wir aber Sumpfboden hatten, konnten wir die Gräben nicht in den Boden einschneiden, sondern mußten die Stellungen hoch aufbauen, etwa so, wie es im französischen Artois oder Flandern gemacht werden mußte. Die Grabenwände wurden so aufgebaut:

Etwa alle 2m wurde ein dicker Stamm in die Erde hineingetrieben und dazu quer wurden dünnere Stangen gelegt, so hoch, wie der Graben tief sein sollte. Gegen diese Wände aus dünnen Stämmen wurde dann Erde geworfen. Die Umkleidung der Schulterwehren wurde aus Ästegeflecht, so wie wir sie schon beim Stellungsbau bei Groß Piwnitz herstellten, gebaut und dann mit Erde ausgefüllt. Zu den Stellungen führten kilometerlange Anmarschwege im trügerischen Sumpf. Diese Wege mußten wir alle mit Knüppeldämmen belegen, damit auch die Kampftruppen, es war das Landsturmbataillon Preußisch Eylau und noch ein anderes Bataillon, ohne Gefahr zu laufen im Sumpf zu versinken, in Stellung rücken konnten.

Wir hatten gutes Essen in Chastun, mußten aber unser Proviantdepot mit 2 Posten abschließen, sonst hätten wir wohl zuviel Liebhaber dafür gehabt.

Überhaupt: Chastun wäre sehr fein geworden, wenn: ja wenn die Moskito nicht gewesen wären. Diese Stechmücken quälten uns sehr. Diese hungrigen Kerle durchstachen sogar unsere Drillichjacken und zapften uns das Blut ab – und ließen uns als Bezahlung die Anfänge des Malariafiebers.

Plötzlich kam „Abmarschbefehl“. Niemand wußte wohin. Wir packten unsere Tornister, Waffen hatten wir ja nicht, und marschierten los. Der Marsch war qualvoll, denn es ging durch tiefen Sand. Die Nacht verbrachten wir in Unterständen. Dann ging es am 2. Tag nach Iwje. Nun erfuhren wir auch was los war.

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Heldenfriedhof im Osten
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182 Russland 1916

Die Kriegsverwendungsfähigen [kv] aus dem Armierungsbataillon 55 sollten auf den Transport gebracht werden, zu Infanteristen gedrillt und dann in die Kampffront geschickt werden. Das waren keine guten Aussichten für uns – und doch freuten wir uns, denn im Kampfabschnitt an der Beresina hatte ein Gasangriff stattgefunden.
Um Iwje tobte drei Tage lang ein furchtbares Schneegestöber. Wir lagen in einer Scheune und waren gleichsam eingeschlossen – keiner mochte hinausgehen. Als das entsetzliche Wetter sich etwas gelegt hatte, wurden wir verladen und fuhren per Viehwagen in 3 Tagen an die deutsche Grenze.

Hier liefen wir einen Tag – ich muß wohl sagen; standen und saßen, im Hemd herum. Wir und unser Zeug wurden einer gründlichen Reinigung unterworfen. Wir hatten keine Läuse, sondern die Läuse hatten uns. Die große Entlausungsanstalt machte uns aber „läusefrei“.

Es ging dann wieder per Bahn in 3 Tagen über Stargard nach Altona. In Stargard gab es Mittagessen, darum habe ich den Ort behalten. Auch diese Reise war schrecklich. Wir hatten den scharfen Winter – und geheizte Transportzüge kannte man im Kriege nicht.

Eine Verwundung habe ich draußen nicht bekommen – aber mein Kriegsandenken sollte ich doch auch haben.

Im Februar 16 bekam ich von Chastun 14 Tage Heimatsurlaub. Der Militär Urlauberzug der „Muz“ fuhr aber erst ab Iwje. So mußte ich zuerst mit der Förderbahn fahren und die letzte Strecke zu Fuß laufen. Fast hätte ich den „Muz“ verpasst, unser „Anschlußzug“ hatte gebummelt, so mußte ich laufen. Und dabei hatte ich mich erkältet. Ich kam krank nach Kleinwiehe und mußte nach Ablauf meines 14 tägigen Urlaubs nach Flensburg ins Lazarett. Ich lag 4 Wochen in der Waldschule. Als ich wieder ausgeheilt war, ging es nach Chastun zurück.

In Altona lagen wir eine Nacht und einen Tag im Quartier, dann ging es nach Stade zu unserem Truppenteil. Wir bekamen 8 Tage Erholungsurlaub. Ich mußte betrügen, oder wenigstens verschweigen, wenn ich meinen Urlaub haben wollte.

Das Verhältnis der Nordschleswiger zum Reich war schlechter geworden. Man munkelte vom Verrat der „Dänen“ von Moulin sous Touvent bei den Flensburger 86ern. Es war Tatsache, daß es in Frankreich ein Vorzugslager für Nord-Schleswiger gab, fas wohl nicht ihrer blauen Augen wegen eingerichtet worden war. Man sprach von der Armee der 40 Tausend in Dänemark:

Kurz, den Nordschleswigern wurde der Urlaub sehr erschwert. Ich gab nicht an, daß ich über Flensburg nach Wallsbüll mußte, sondern gab an, daß ich über die Nordschleswigsche Weiche müßte. Da gab es für mich keine Schwierigkeiten, denn diese Station lag südlich der Flensburg Linie.

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Kriegserinnerung 1914/16 aus d. Osten. Beressina Front. Überschwemmte Stellungen.
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Kriegserinnerung 1914/16 aus d. Osten. Beressina Front. I. Stellung (2. Linie).

Ich stieg in der Weiche aus und stieg in den Zug nach Westen ein.

In Stade wurden wir zu „Feldinfanteristen“ ausgebildet.

Zur Konfirmation meines Bruders Richard erhielt ich einen kurzen Urlaub.

Unsere Ausbildung war abgeschlossen und es sollte nach Frankreich gehen. Am Abend wurden wir verlesen, die am nächsten Tag los sollten. Für mich lag ein Arbeitsurlaubsgesuch auf der Schreibstube. Ich machte den Feldwebel auf das vorliegende Gesuch aufmerksam. Er meinte aber nur: den Urlaub könnte ich auch von draußen bekommen. Beim letzten Appell war ich aber nicht mehr auf der Liste.

Ich fuhr auf Arbeitsurlaub nach Kleinwiehe.

Meine Kameraden fuhren zum aktiven Regiment 31 an die Westfront. Schon bald kamen die Anzeigen mit den Todesnachrichten.

Nach meiner Rückkehr vom Urlaub bekam ich Malariafieber. Das steckte schon seit der Beresina in mir. Ich kam ins Lazarett. Die Krankheit war sehr schwer; immer saß eine Wache in unserer Krankenstube. Mein Fieber war immer um 40 und 41 Grad herum. Mir war hundeelend. Ich hatte mich schon ganz damit abgefunden, nicht mehr nach Kleinwiehe zurückzukommen.

Unser Chefarzt war aber Malariakrankheit anderer Meinung. Für ihn war Malaria keine Krankheit.

Wenn das Fieber mal sackte, dann kam ich ins Revier. Lag ich da ohne rechte Pflege, dann ging es wieder los. Ich sah Flimmer und Flammen an der Decke; das Fieber stieg, und ich kam wieder ins Lazarett.

Es gab zwei Reviere; eines lag in der Kaserne und eines privat bei den Unteroffizieren. Da spielten wir dann „Burschen“ für die Unteroffiziere, mußten die Stube fegen, Essen holen usw. Ich holte gerade Essen, da packte mich so ein Fieberanfall. Wir maßen das Fieber und lasen 40° ab. Sie legten mich in eines ihrer Betten. Da lag ich bis zum Abend, bis das Fieber absackte und man mich ins Revier rüber brachte.

Am anderen Tag schickte man mich ins Lazarett.

Der Doktor sagte bloß: Was wollen Sie wieder hier?, und schickte mich in die Baracken. Da war es ganz nett. Wir waren uns selbst überlassen und mußten uns selbst die Temperatur messen. Eine Zeitlang ging es gut, dann kam der Doktor mal und warf mich raus.

Ich kam ins Wachtkommando. Wir standen vor der Kaserne Posten.

Ein Unteroffizier sollte am nächsten morgen früh weg. Wir sollten ihn wecken. Um 1 Uhr kam der Rondeoffizier, ein Hauptmann. Als der gerade in der Wachtstube stand, da kam der Unteroffizier in der Unterhose rein und schimpfte über die Störung. Er sah nur den Hauptmann, da war er aber zur Tür raus. Der Hauptmann befahl uns, ihn zu greifen. Wir waren aber auch nicht allzu schneidig dabei – und so war der Unteroffizier weg.

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Armeringssoldater

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33
Bei einer ärztlichen Untersuchung wurde mein kv  kriegsverwendungsfähig) aufgehoben und ich wurde a v (arbeitsverwendungsfähig) geschrieben.

Auf ein Gesuch wurde ich als Facharbeiter für den eigenen Betrieb beurlaubt.

Im Dezember 1917 ging es nach Hause.

Mehrmals wurde ich telegrafisch nach Stade gerufen, wurde untersucht, und weil ich a.v. blieb, konnte ich am nächsten Tag wieder nach Kleinwiehe fahren.

Ich mußte 1918 auch nach Flensburg zur Untersuchung. Wieder schrieb man mich a.v.

Ich wurde befragt, ob ich auf etwaige Rentenansprüche verzichten wolle? Das Wollte ich gerne.

Da wurde ich am 21.6.1918 aus dem Heeresverband entlassen.

Eingezogen    26.6.1915    Armierungsbataillon 55, 17. Res. Korps. Feldpost 118    2. Komp.
15.1.1917    Rekruten Depot Ers. Batl. Landwehr Inf. Regt. 31, Wachtkommando, Stade.
21.6.1918    entlassen.

3.-23.9.1915    Verfolgung vom Njemen zur Beresina.
3.2.1916-5.1.17    Stellungskampf an der Beresina.
6.1.1917-14.1.1917 Transport.

Hans Jürgensen

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Sønderjyderne og Den store krig 1914 – 1918